Jean Echenoz

Unsere Frau in Pjöngjang

Roman
Cover: Unsere Frau in Pjöngjang
Hanser Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783446256798
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Constance, attraktiv, ungebunden, einem Abenteuer nicht abgeneigt, wird überfallen und verschleppt - im Auftrag des französischen Geheimdienstes: Sie soll die Schlüsselrolle in einer riskanten Mission spielen. Ziel: die Destabilisierung Nordkoreas. Constance erweist sich als Idealbesetzung und läuft in Pjöngjang als Geliebte eines hochrangigen Funktionärs zur Hochform auf. Doch als ihre Entführer plötzlich versuchen, ihr zur Flucht zu verhelfen, läuft alles aus dem Ruder. Einige Verfolgungsjagden und Schießereien später weiß niemand mehr, wer hier welche Strippen zieht und warum.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2017

Jean Echenoz' Roman "Unsere Frau in Pjöngjang" ist kein "gewöhnlicher" Krimi, warnt Rezensent Ronald Düker vor. Auch die Handlung spielt in der Geschichte um die gelangweilte Komponisten-Gattin Konstanze, die vom französischen Geheimdienst zunächst entführt und nach einer Gehirnwäsche nach Nordkorea geschickt wird, um vor Ort einen Politkader zu verführen, trotz aller Spannung eher eine Nebenrolle, fährt der Kritiker fort. Vielmehr mache Echenoz den Kriminalroman durch seine literarische Raffinesse zum "Gedicht", schwärmt Düker: Ob der Autor voller Ironie den Dialog mit dem Leser sucht, mit den Genres spielt, ein Feuerwerk der Actionszenen zündet oder sich auf dem "literarischen Grabbeltisch" bedient, um Klischees und abgegriffene Formulierungen zu reproduzieren - dem Rezensenten hat die Lektüre eine diebische Freude bereitet. Und wie präzise Echenoz Nordkorea skizziert, ringt Düker ohnehin größte Anerkennung ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2017

Martin Halter ahnt, dass für einen Agentenroman aus Nordkorea eine Portion surrealistischer Wahn nötig ist, beim Autor wie beim Leser. Jean Echenoz liefert seinen Teil recht gründlich, meint Halter, der sich am Ende der Lektüre zwar etwas genarrt fühlt, aber den Spaß des Autors beim Verfassen der Geschichte um eine Mata Hari aus Paris, die in Pjöngjang die Revolution anschieben soll, durchaus nachvollziehen kann. Der Spaß besteht laut Halter vor allem darin, auf Erzähllogik zu pfeifen und als Erzähler mit Kommentaren, Fragen und Bedenken kräftig mit- und die Story mit Exkursen über Elefantenbrunst, Fische mit Ohren und allerhand Allotria aufzumischen. Einen Plot dürfe der Leser nicht erwarten, so Halter, dafür aber eine postmoderne Agentenromanparodie mit Tagesaktualität.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2017

Rezensent Fritz Göttler liest Jean Echenozs Spionagegeschichte mit Sinn fürs Absurde daran. Und er erkennt, wie gut Echenozs manipuliertes Erzählen dazu passt. Was real, was ausgedacht ist, kann hier keine so große Rolle spielen, vermutet der Rezensent. Dementsprechend leicht kippt die Geschichte um eine für den Spionagedienst in Nordkorea ausgewählte Dame immer wieder ins Absurde, meint Göttler. Dem Leseglück des Rezensenten steht das nicht im Weg

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.10.2017

Sabine Vogel kommt gut klar mit dieser Erzählung von Jean Echenoz, auch wenn der Autor seinem leicht surrealen, in Nordkorea spielendem Agententhriller so einiges an absurden Wendungen und Verkettungen auflädt. Nein, mit banaler Kausalität sollte man dem Text nicht kommen, rät sie. Auch wenn das Ganze etwas schrullig daherkommt, all die Knallchargen, die der Autor auffährt, um ein veritables Chaos zu veranstalten - am Ende hat Vogel mit den vielen Erzählern, die sich ihrer Sache so gar nicht sicher sind, ihren Spaß gehabt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2017

Jean Echenoz ist weit mehr als ein Meister des Realismus, versichert Rezensent Albrecht Buschmann, der einmal mehr staunt, wie brillant der französische Autor Flaubert mit Diderot vereint. Denn Echenoz dechiffriert die Wirklichkeit, weiß der Kritiker, der in diesem handlungsreichen Thriller einem alternden General und einem jungen Offizier folgt, die an der Entführung einer unbescholtenen Frau beteiligt sind, um diese schließlich als Agentin nach Nordkorea zu schicken. Neben der Detailverliebtheit des Autors bewundert der Rezensent insbesondere, wie Echenoz immer wieder die fiktionale Ebene bricht, indem er etwa den Erzähler den Leser direkt ansprechen lässt. Und wie Hinrich Schmidt-Henkel Echenoz' ebenso kunstfertige wie lakonische Sprache in der deutschen Übersetzung zum Tanzen bringt, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab.
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