Jean Malaurie

Mythos Nordpol

200 Jahre Expeditionsgeschichte
Cover: Mythos Nordpol
National Geographic, Hamburg 2003
ISBN 9783936559200
Gebunden, 400 Seiten, 69,95 EUR

Klappentext

Seit Jahrhunderten zieht es die Menschen an den "äußersten Nordrand der Welt". Tollkühne Entdecker wie Sir John Franklin machten sich auf die Suche nach der mythischen Nordwestpassage, furchtlose Männer wie Charles Francis Hall kämpften sich durch Eis, Schnee und arktische Stürme, das magische Ziel, den Nordpol vor Augen. Manche kehrten nie zurück, andere überlebten nur mit Hilfe der Inuit, ohne deren Fertigkeiten auch Robert Peary nie als erster Mensch den Nordpol erreicht hätte. Jean Malaurie erzählt in diesem Band von dem außergewöhnlichen Volk der Inuit, ihren Künsten und Mythen und ihrem Zusammentreffen mit der fremden Kultur der Entdecker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2003

Lohnend findet Rezensentin "str." die Lektüre dieses Buches, auch wenn sie darin keine plausible Antwort auf die Triebkräfte fand, die Abenteurer durch das ewige Eis Richtung Nordpol treibt. In diesem "opulenten Bildband" geht es ihren Informationen zufolge trotz des verheißungsvollen Titels um Handfestes, wie die Abenteuer der Hasardeure, die keine Angst vor dem Mythos hatten, und deren wichtigste Erkundungsfahrten zum Nordpol sie im Buch dokumentiert findet - üppig bebildert mit Abbildungen von "Skulpturen aus Walrosszähnen und Angelhaken aus Robbenknochen", mit Stichen und Gemälden, Fotografien und Faksimiles von Logbüchern. Die Augenzeugenberichte von Helden wie John Ross oder Robert Edwin Peaty findet "str." so packend wie die Nacherzählungen von Jean Malaurie im vorliegenden Buch selbst.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2003

Georg Sütterlin zeigt sich gleichermaßen beeindruckt von der Person Jean Malauries wie von seinem gerade in der deutschen Fassung erschienenem Buch "Mythos Nordpol". Malaurie, eigentlich von Haus aus Geograf, hat sein Leben nun seit mehr als einem halben Jahrhundert der Erforschung der Arktis und der Grönlandeskimos gewidmet, erklärt der Rezensent. Daher überrascht es nicht, dass Sütterlin in diesem Buch als "besondere Note" die "persönlichen Bekenntnisse" des Autors ausgemacht hat, mit denen man in einer wissenschaftlichen Publikation nicht wirklich rechnen könne. Da die Inuit-Kultur, das Leben also von Jägergesellschaften, wie es Malaurie noch fünfzig Jahre zuvor kennen gelernt hat, eindeutig der Vergangenheit angehört, könnte man von diesem überzeugten "Fürsprecher des Volkes" eine Verfallsgeschichte erwarten. Doch Jean Malaurie "verbietet sich den Luxus des Pessimismus" und berichtet durchaus auch von den positiven Veränderungen des kulturellen Wandels und den Zukunftsaussichten der Grönlandeskimos, bemerkt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

Nach dem Genuss des "opulenten" Bildbandes erkennt Hubert Filser Jean Malaurie als einen vom Nordpolfieber Infizierten, der aber glücklicherweise nicht der Versuchung erliegt, dem "Polarpathos" Raum zu geben. Malaurie habe eine Fülle von Expeditionsgeschichten zusammengetragen, Originaldokumente, alte Karten und historische Bilder. Aber - und das rechnet der Rezensent ihm hoch an - er verharrt nicht in der westlichen Perspektive, sondern führt darüber hinaus auch Bilder, Tagebuchaufzeichnungen, Augenzeugenberichte und Beschreibungen der Inuit an, die diese Expeditionen begleitet haben. Damit schaffe der Autor auch ein Bild des Lebens am Rande des ewigen Eises. Die zwei gegensätzlichen Perspektiven entlarvten in der Gesamtschau auch die westliche Gesellschaft, die Abenteuer brauchte, suchte und alles daran setzte, sie zu erfüllen, "ohne nach der Moral zu fragen". Neben einer Chronik des Expeditionsdrangs des Westens sei Malauries Buch also auch eine Aufforderung, diesem kompromisslosen westlichen Denken zu misstrauen.

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