Jeong Yu-jeong

Sieben Jahre Nacht

Thriller
Cover: Sieben Jahre Nacht
Unionsverlag, Zürich 2015
ISBN 9783293004948
Kartoniert, 528 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel. Sein Vater ist ein Versager: ein mittelmäßig erfolgreicher, ehemaliger Baseballspieler, der auf Druck seiner Frau eine Stelle als Sicherheitsmanager bei einem Stausee annimmt, um die Schulden zu bezahlen. In einer nebligen Nacht wird der Vater zum 'Stausee-Monster' - er ermordet ein Mädchen und öffnet den Stausee, um das ganze Dorf hinwegzufegen. Wie kann ein elfjähriger Junge überleben, wenn alle Welt in ihm den Sohn des 'Stausee-Monsters' sieht? Sieben Jahre lang muss er sich verstecken. Jetzt lebt er einsam und geächtet in einem Dorf an der Küste. Da tauchen rätselhafte Besucher auf. Nach einem erneuten dramatischen Ereignis wird die Vergangenheit aufgerollt und die tatsächlichen Geschehnisse am Stausee werden Stück für Stück aufgedeckt. Am Ende ist alles anders, als es schien.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2016

Katharina Granzin taucht ein in die nachtschwarze menschliche Seele mit Jeong Yu-jeongs Geschichte um ein versunkenes Dorf und sein geisterhaftes Nachleben. Die Anlage des Buches mit einem etwas langatmigen dramatischen Einstieg, einer Roman-im-Roman-Konstruktion und verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven, die erst allmählich zueinander finden, fordert von Granzin zunächst Ausdauer. Dann aber vermittelt ihr der Text das Gefühl einer stark symbolisch aufgeladenen Irrealität, Albtraumhaftigkeit und Drastik, das bei ihr noch lange nachwirkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.02.2016

Sylvia Staude hat die plastische Figurenzeichnung beeindruckt in Jeong Yu-jeongs drittem Roman. Wenn sie am Ende des Textes auf einen Lageplan zum Geschehen stößt, meint sie die zuvor beschriebenen Menschen aus ihren Häusern schauen zu sehen. Dabei sind die im Buch im Zusammenhang mit einem großen Verbrechen beschriebenen Biografien laut Staude eher "klein", "zum Scheitern verurteilte Leben", die Handlung ist trotz actionreicher Zuspitzung am Ende oft unspektakulär. Umso stärker scheinen die Psychologisierung der Figuren und eine ambitionierte Konstruktion (samt Buch im Buch) auf die Rezensentin zu wirken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2015

Subtil und anspielungsreich gearbeitet erscheint Sandra Kegel Jeong Yu-Jeongs Rekonstruktion einer Tragödie. Der als Thriller firmierende, multiperspektivisch angelegte Text, in dem laut Kegel ein Puzzleteil nach dem anderen angelegt wird und sich schließlich ein "erschütternd" stimmiges Bild ergibt, führt die Rezensentin zum Ursprung eines Verbrechens. Die von Profitstreben und dem Marginalisieren von Gewalt dominierte, bittere Wirklichkeit Koreas, die sich dabei offenbart, jagt der Rezensentin einen mächtigen Schrecken ein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.12.2015

Die koreanische Autorin Jeong Yu-jeong erzählt in ihrem Krimi "Sieben Jahre Nacht" die erstaunliche Geschichte eines Jungen, dessen Vater eines Nachts die Schleusen eines Stausees geöffnet und Hunderte von Menschen getötet hat, erzählt Tobias Gohlis. In einem unfertigen Roman, den ihm sein Ziehonkel hinterlässt, sind die Ereignisse, die auf die Katastrophe hinführten, festgehalten, erklärt der Rezensent, und der junge Sowon muss dem Fragment die Vergangenheit abringen, die letzten Endes überraschend auch eine Zukunft für ihn bereit hält, verrät Gohlis beeindruckt.
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