Aus dem Englischen von Susann Urban. Malaysia in den Fünfzigerjahren: Der Ausnahmezustand wird verhängt, die Regierung fürchtet ein Übergreifen des Kommunismus aus China. Die junge Siew Li verlässt ihre Familie, um im Dschungel für die Freiheit zu kämpfen. Ihre Kinder werden aufwachsen, ohne von ihr zu wissen, ihr Mann wird alleine alt. Als sich jedoch die Londoner Journalistin Revathi auf die Spuren der damaligen Verbrechen begibt, wird daraus eine Suche nach der verschwundenen Siew Li, und Revathi taucht tief ein in die verdrängte Geschichte Malaysias und Singapurs. Von den 50er Jahren bis in die Gegenwart spannt sich Jeremy Tiangs berührender Roman einer Familie, deren Leben von politischer Willkür erschüttert und von der Suche nach der Wahrheit geleitet wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2020
Rezensent Fridtjof Küchemann lernt die Geschichte des Stadtstaates Singapur kennen mit Jeremy Tiangs sechs Jahrzehnte umspannendem Familienroman. Wie gewaltvoll diese war und welche Spuren sie in der Psyche ihrer Bewohner hinterlassen hat, das ist das Thema des Buches, erläutert der Rezensent. Tiangs klarer, nüchterner Ton, der dem drastischen Geschehen (koloniale Massaker, Bombenanschläge etc.) kontrastiert, geben der Geschichte laut Küchemann nur noch mehr Gewicht. Die Komposition aus familiärer Schicksals- und nationaler Gewaltgeschichte findet Küchmann gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2020
Rezensent Thilo Eggerbauer erkennt in Jeremy Tiangs Roman über eine singapurische Familie, erzählt aus sechs unterschiedlichen Figurenperspektiven, sowohl die große Empathie des Autors für seine Charakteren und ihre Sicht- und Lebensweisen als auch die Folgen des Kolonialismus an jeder Ecke. Erzählt wird laut Rezensent von linkem Widerstand und staatlicher Repression. Die Kapitel stimmen den Leser je nach Perspektive mal resignativ, mal zuversichtlich oder kämpferisch, erklärt Eggerbauer.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.05.2020
Rezensent Marko Martin freut sich, dass Singapur, vor allem aber Malaysia nach Joseph Conrads und William Somersets Geschichten endlich wieder in die Literatur eingezogen ist, vor allem da die sogenannte "Malayan Emergency" - der Kampf zwischen Briten und prochinesischen Malaien - in den fünfziger Jahren oft vergessen und übergangen wird. Nach Tan Twan Eng kämpft nun auch der singapurische Autor Jeremy Tiang literarisch gegen dieses Vergessen an, lesen wir. Sechs Figuren führen in sechs Geschichten von der Gegenwart in die Zeit der Guerilla-Aufstände zurück. Dass Tiang dafür den Singapore Literature Prize erhalten hat, findet Martin absolut gerechtfertigt. Jeder der Geschichten ist eindrucksvoll erzählt und schlüssig. Nur einen Kritikpunkt gibt es für den Kritiker: Dass sich Tiang bei aller Liebe für seine Figuren um die Frage herumdrückt, was ein Sieg der prochinesischen Guerillas für Folgen gehabt hätte. Dieses "wunderbare" Buch würde dann jedenfalls nicht existieren, ist der Rezensent überzeugt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…