Joachim Bessing

Wachs und Gold

Roman
Cover: Wachs und Gold
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751810616
Gebunden, 262 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Zu Beginn der Regenzeit landet ein Mann unter dem Namen des Autors in Addis Abeba, zahlt sein Dreimonatsvisum bar und checkt im ältesten Hotel auf dem afrikanischen Kontinent ein. Was er dort sucht und wer er wirklich ist, wandelt sich mit jeder Begegnung. Mal folgt er der Prophezeiung seines Maja-Horoskops, mal will er der Herausgeber einer Zeitschrift über das karitative Lebenswerk Karl-Heinz Böhms sein, mal ist er Suchender, mal Liebeskummergeplagter. Nicht minder unbeständig und widersprüchlich erweist sich aber, was er in der äthiopischen Hauptstadt findet - einer Stadt, über die er kaum etwas weiß, in der sich aber zwischen Wellblechwänden und kolonialen Fassaden, zwischen dem Tod des Premierministers und himmelseitig verordnetem Hausarrest rasch ein so faszinierender wie irritierender Sonnenschirm der Eindrücke aufspannt, dessen Schatten bis in die grässliche Vergangenheit des Landes reicht.Mit feiner Ironie und klassizistischem Ton zeichnet Joachim Bessing in seinem neuen Roman aus Mythen, Zufällen und Begegnungen eine von kolonialen Gräueln beschattete Welt. Eine Welt, in der sich - wie auf dem äthiopischen Wochenmarkt - keine eindeutigen Antworten finden, in der sich aber in sämtlichen Dingen eine verborgene Stimme mitteilt, gemacht aus Wachs und Gold.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2026

Rezensentin Eva Behrendt liest interessiert, was Joachim Bessing zu Äthiopien zu sagen hat. Das autofiktionale Buch basiert auf einem längeren Aufenthalt des Autors in Addis Abeba - was genau Bessing dorthin gezogen hat, wird nicht komplett klar, eine Rolle spielen wohl Ryszard Kapuścińskis Gedanken zur äthiopischen Kultur, auf die bereits der Titel verweist: es geht um die Faszination der Äthiopier für Doppelbödigkeit. Was nun Bessings Äthiopien-Erlebnisse betrifft, so beschränken sie sich zunächst auf Erkundungen des gar nicht mal so mondänen Palasthotels, in dem er einquartiert ist. Später wagt er sich öfter nach draußen und macht schließlich gar die Bekanntschaft eines Nomadenvolks, bei dieser Gelegenheit nimmt das Buch eine düstere Wendung. Behrend gefällt ziemlich gut, wie Bessing sich mit einiger Selbstironie an eine ihm fremde Kultur heranschreibt. Manches ist ein wenig zu umständlich geraten, aber gut recherchiert ist das alles, und es rührt an schwierigen Fragen, etwa an der, ob unter den Bedingungen von Ungleichheit Partnerschaften überhaupt möglich sind. Insgesamt ergibt das eine nicht vorbehaltlos, aber doch klar positive Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.04.2026

Rezensent Oliver Jungen nimmt Joachim Bessing vor sich selbst in Schutz. Ein Popliterat mag Bessing sein, aber ein gut gereifter, findet er. Bessings Zauberberg-Verschnitt aus dem Palasthotel in Addis Abeba überzeugt ihn durch grundlegende Gedanken zur Vertrautheit mit dem Fremden, Heimatlosigkeit und äthiopische Gelassenheit. Kein Exotismus jedenfalls, beteuert Jungen, auch wenn Subjektivität und andere Aspekte des Popromans noch da sind. Am Schluss der autobiografisch gefärbten Geschichte steht eine lächelnde Selbstbefreiung aus alten Schwarz-weiß-Mustern, versichert der Rezensent.

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