Nicola Denis

Wo die Kaffeekirschen leuchten

Roman
Cover: Wo die Kaffeekirschen leuchten
Friedenauer Presse, Berlin 2026
ISBN 9783751880480
Gebunden, 340 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

1953, im deutschen Wirtschaftswunderland: Eine junge Frau aus Ludwigshafen steht mit ihrem gerade angetrauten Ehemann an der Reling des Überseedampfers, der sie von Hamburg nach Kolumbien bringen wird. Ihn erwartet in der Andenstadt Tunja seine erste Anstellung als Geologe, sie sieht so freudig wie besorgt ihrer ungewissen Zukunft als "Auswanderer auf Zeit" entgegen - getrennt von der behütenden großen Familie im gläubigen Elternhaus, das Musikstudium geopfert und unvertraut mit der kolumbianischen Kultur und Geschichte. In Tunja sind sie konfrontiert mit den häufig kolonialen Attitüden der Auslandsdeutschen, die die Vergangenheit zumeist beschweigen. Während ihr Mann im Gelände forscht, ist die junge Deutsche mit der mühevollen Einrichtung ihres neuen Zuhauses beschäftigt und findet Anschluss als Kammermusikerin. Das "Band zur Heimat" pflegt sie in ihren Briefen auf Luftpostpapier, aus denen Sehnsucht und Selbstbehauptung sprechen: gesammelt in zwölf Ordnern. Mit diesen Dokumenten, Erzählungsfetzen und Fotoalben sowie auf einer Reise zusammen mit zweien ihrer Kinder nach Tunja folgt die Erzählerin gut siebzig Jahre später den Spuren der Eltern und Großeltern. Ein so akribisch wie aufrichtig gestalteter literarischer Dialog zwischen den Generationen. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2026

Ein erstaunliches Stück Vergangenheitsaufarbeitung gelingt Nicola Denis mit diesem Buch, meint Rezensentin Sigrid Brinkmann. Denis blickt zurück in die eigene Familiengeschichte: Ihre Eltern hielten sich in den 1950ern drei Jahre lang in Kolumbien auf, ihr Vater war dort als Mineraloge tätig, während ihre Mutter in derselben Zeit ihren Traum, Berufsmusikerin zu werden, aufgab. Denis reist, um diese Episode zu recherchieren, selbst nach Kolumbien, vor allem jedoch nimmt sie Briefe unter die Lupe, die ihre Mutter in dieser Zeit an ihre Familie in Deutschland geschickt hatte. Sie stößt dabei auf abwertende Kommentare über Kolumbianer, aber nimmt auch erleichtert zur Kenntnis, dass ihre Eltern Kontakt eher zu KZ-Überlebenden als zu nach Kolumbien ausgewanderten Altnazis suchten. Insgesamt entsteht ein reichhaltiges, alltagsnahes Bild des Lebens der Eltern in Kolumbien, schließt die positive Besprechung.

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