Ob in der Frauenmedizin, Orthopädie oder Krebsvorsorge: Mythen sind in der Medizin weit verbreitet. Arzneimittel, Diagnosen und Therapien sind oft keine medizinischen Notwendigkeiten, sondern resultieren aus Irrtümern, Trugschlüssen und finanziellen Interessen. Erschreckend deutlich wird dies, wenn Ärzte zu Patienten werden: Sie lassen sich viel seltener operieren als der Durchschnittsbürger. Viele Mediziner muten ihren Patienten Operationen zu, denen sie sich selbst nie unterziehen würden. Denn sie wissen am besten, welcher Eingriff wirklich notwendig ist, welche Behandlung ihren Patienten tatsächlich hilft. Und welche nur ihrem Geldbeutel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2006
Nicht an Geld fehle es anscheinend dem Gesundheitswesen, resümiert Rezensent Andreas Hoffmann nach der Lektüre, sondern an Wissen. Der Autor habe bei seiner reichen Beispielsammlung für falsche und unnötige 'Behandlungen' zwar nicht immer neue Erkenntnisse zusammengetragen, aber doch "schlüssig" und "anschaulich" dargestellt. Blechs Meinung nach, referiert der Rezensent, seien je nach Fachrichtung zwischen 15 und 50 Prozent der operativen Eingriffe überflüssig. Der Rezensent hebt insbesondere hervor, dass der soziale Stand mitunter darüber entscheidet, ob man unters Messer oder ähnliches gerate. Einen wichtigen Fingerzeig sieht der Rezensent zudem in Blechs Aussage, dass viele Ärzte ihre Operationen niemals bei sich selbst durchführen lassen würden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2006
Überaus nützlich erscheint Rezensent Andreas Mihm dieses Buch über "fragwürdige Therapien", das der Journalist Jörg Blech vorgelegt hat. Der Autor, der sich bereits in seinem Verkaufsschlager "Die Krankheitserfinder" mit der Pharmaindustrie und Medizin kritisch auseinandergesetzt hat, hinterfragt in seinem neuen Buch den Sinn vieler Therapien, geißelt die Medikamentengläubigkeit der Deutschen und warnt vor Vertrauensseligkeit gegenüber den Ärzten, wie Mihm referiert. Blechs Aufklärungsbemühungen lobt er als "fundiert" und "ohne Schaum vor dem Mund". Das Buch sieht er als Anleitung, wie aus dem "hilflosen Kranken", der dem Doktor ausgeliefert ist, ein "selbstbewusster Patient" werden kann, der der Diagnose des Arztes mit gesunder Skepsis begegnet.
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