Herausgegeben von Walter Salmen. Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), der weltgewandte Musiker und umtriebige Schriftsteller, war zugleich ein großer Reisender und passionierter Briefschreiber. In seinen Jugenderinnerungen, die hier zum erstenmal zusammenhängend veröffentlicht werden, erzählt er auf höchst unterhaltsame Weise seinen Weg vom Wunderkind zum Hofkapellmeister Friedrichs des Großen. Aufgewachsen in dem weltoffenen Königsberg, lernte er schon in jungen Jahren die großen Komponisten, Virtuosen und Dichter seiner Zeit kennen: Lessing, Klopstock, Matthias Claudius, Corona Schröter, Carl Philipp Emanuel Bach, Willibald Gluck. Seine lebendigen, oft humoristischen Schilderungen halten den unmittelbaren Moment der Begegnung fest und bieten authentische Eindrücke von Menschen, Orten und Ereignissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2002
Johann Friedrich Reichardt ist nicht seiner Kompositionen wegen auch heute noch ein bekannter Name, 250 Jahre nach seiner Geburt. Vielmehr taucht er als umtriebiger Zeitgenosse und guter Bekannter bedeutenderer Geister - von Goethe bis Gluck, von Friedrich II. bis Schleiermacher - an den verschiedensten Ecken der Zeit um 1800 auf. Kein Wunder ist es darum, dass sich seine Autobiografie - 1813/14 in Fortsetzungen erschienen, nun erstmals in einem Band - überaus interessant liest. Der Rezensent Michael Gassmann jedenfalls hat darin "Charakterskizzen von seltener Prägnanz und Spontaneität" entdeckt und mit viel Vergnügen durchs Schlüsselloch in die Zeit der deutschen Klassik und Romantik geblickt. Gerade die "Gerüchte", die die "Plaudertasche" Reichardt ungeniert kolportiert, seine Lust an der Alltagsbeobachtung, verleihen dem Band, so Gassmann, seinen großen Reiz.
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