John von Düffel

Ego

Roman
Cover: Ego
DuMont Verlag, Köln 2001
ISBN 9783770158140
Gebunden, 281 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Am Morgen steht er vor dem Spiegel und misst seine Bauchnabeltiefe, am Abend modelliert er im Fitness-Studio seinen Muskelpanzer auf dem Weg zur "Alpha-Anatomie". Ansonsten bewegt sich Philipps Business-Leben zwischen Diät und Dauerflirt, Trizeps und Ferientrips. Körper und Karriere, Frauen und Erfolg spielt er meisterhaft gegeneinander aus. Diesem Solisten ist nichts wichtiger als Wirkung. Doch hinter dem selbstherrlichen Spiel ist Unternehmensberater Philipp ein Getriebener: Der Siegeszug dieses modernen Karriere-Athleten durch die "Olympiade des Lebens" wird zur Hetzjagd.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001

John von Düffel berichtet in seinem dritten Roman vom "Innenleben einer Zeitgeistfigur", einem nicht gerade feinfühligen oder intelligenten, dafür aber sehr wohlproportionierten, weil fitnessbesessenen Mann. Dem Ergebnis dieser Studie betrachtet der Rezensent Eberhard Falcke mit ziemlich gemischten Gefühlen. Von Düffel untersucht seinen Protagonisten "mit Konsequenz, stilistischer Gewandtheit, aber auch mit allzu viel Ausdauer und allzu wenig Scheu vor Wiederholungen", meint er. In Anbetracht der Länge des Buches ist dieser Charakter zu eindimensional - nach Eberhard Falckes Meinung noch eindimensionaler als Brett Easton Ellis "American Psycho". Zudem stellt sich das Problem, dass die detaillierte Beschreibung das ganze wie eine Satire wirken lässt - und das, wo doch der Autor nach Falckes Einschätzung sehr wohl den Anspruch hat, zu untersuchen, wie ein solch durchgeplanter Mensch tatsächlich funktioniert. Deshalb findet Eberhard Falcke, dass die Analyse dieses überkonstruierten Prototyps eines Zeitgeistes nicht wirklich einen Erkenntnisgewinn bringt: "Als aussagekräftige Zeitfigur kann sich dieser Heldendarsteller ganz und gar nicht behaupten."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2001

Mit diesem Roman ist John von Düffel eine witzige, scharfsinnige und raffinierte Satire auf den Fitnesswahn unserer Gesellschaft gelungen, findet Samuel Moser, die sich am Ende sogar in eine muntere Komödie verwandele. Hier werden herrliche Versuche mit dem angeschlagenen Subjekt Mann angestellt, freut er sich. Im Mittelpunkt des Romans stehe ein ständig trainierender ewiger Zweiter, ein "Verlierer im Siegerkörper", ein Mann, der nichts so sehr fürchte wie das Erreichen seines Trainingsziels und der damit verbundenen Frage, was er denn dann mit sich anfangen soll. Beängstigende Züge nehme die Satire dort an, wo sie mehr im Visier habe, z.B. das Primat der Bilder und die Ästhetisierung des inszenierten Lebens. Zu ernst wird es jedoch zum Glück, wie Moser findet, nicht, denn am Ende löse sich alles in Heiterkeit auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

In einer überaus amüsanten Rezension bespricht Stephan Maus den neuen Roman von John von Düffel. Der Roman, in dem es um einen "Ego-Warrior" aus der Consulting Branche geht, der nach der "3-K-Regel: Karriere, Körper, Kopulation" lebe, verfalle nicht in das häufig ausgereizte Schema der "üblichen sozialkritischen Plattitüden". Trotz der Kritik, die sich durchaus in dem Roman finden lasse, sei es ein äußerst unterhaltsames Buch, das sprachlich gekonnt mit verschiedenen Arten von Slangs spiele und dessen Plot immer wieder überrasche. Eine Lobeshymne auf John von Düffel ist diese Rezension, in der der Rezensent nicht der Versuchung widerstehen konnte, Düffels Stil versuchsweise zu kopieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001

Ein "Fitnessroman", ein "Kampfbuch aus der Mitte der Gesellschaft". Rezensent Volker Weidermann zählt atemlos lauter wohlfeile Thesen über Einsamkeit, Narzissmus und das Ende aller Sicherheiten auf, die ihm in diesem Roman begegnet sind - von denen der Roman seiner Auskunft zufolge dann aber trotzdem nicht handelt. Ein gelungener Roman sei das nicht, mault er gelangweilt. Das gesamte Personal ist für ihn papieren, ihr Gefühlsleben staubig.. Gut: Protagonist Philipp sei "glänzend gezeichnet". Jede Geste stimme, jede Gebärde sei glaubhaft: "sein besessener Kampf gegen sich selbst", weiß unser Rezensent, sei der besessene Kampf unzähliger Besucher von Fitness-Studios. Weidermann fragt sich trotzdem: "Müssen wir das lesen?" Trotz aller Mühe kann er sich für den Bauchnabel des erfolgreichen Junganwalts Philipp nicht interessieren.
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