Jon Fosse, Martina Läubli

Gespräche mit einem Schweiger

Jon Fosse, befragt von Martina Läubli und Linus Schöpfer
Cover: Gespräche mit einem Schweiger
Kampa Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783311140498
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Jon Fosse ist der Mystiker unter den Schriftstellern. Was liegt hinter den Dingen? Was macht den Menschen im Grunde aus? Solche Fragen treiben den Norweger um, der 1959 im Küstenstädtchen Haugesund geboren wurde. Seine Theaterstücke und Romane entwickeln einen hypnotischen Sog - dies auch, weil die Stille, das Unausgesprochene bei ihm stets ebenso präsent sind wie die Worte. Mit dem Nobelpreis ist Fosse im Literaturolymp angekommen. Doch zuvor durchlebte er existenzielle Krisen: Ein schwerer Unfall konfrontierte ihn bereits als Kind mit dem Tod, als Erwachsener verfiel er dem Alkohol. Nach einer spirituellen Odyssee fand er schließlich im Katholizismus seine metaphysische Obhut. Heute sagt Fosse: "Alles, was ich schreibe, ist eine Art Gebet." Kurz vor Weihnachten 2022 trafen Martina Läubli und Linus Schöpfer den Schriftsteller erstmals in Oslo, um mit ihm über sein Schreiben, seinen Glauben und sein Leben zu sprechen. Nach dem Gewinn des Nobelpreises folgten weitere Treffen in Fosses Zweitdomizil in Österreich. Diese Gespräche fügen sich zu einem eindrücklichen intellektuellen Porträt zusammen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.11.2024

Leben und Tod, Religion, Sex, Saufen: Es geht laut Rezensent Jörg Magenau um die großen Themen in diesem Gesprächsband, der auf den Unterhaltungen basiert, die Martina Läubli und Linus Schöpfer mit dem Literaturnobelpreisträger Jon Fosse geführt haben. Fosse gilt als Schweiger, ist aber hier durchaus auskunftsfreudig, erfahren wir, die Düsternis, die man ihm zuschreibt, überträgt sich in seinen Ausführungen auf den Akt des Schreibens. Den vergleicht er mit einem Gebet, außerdem legt er Wert darauf, dass Literatur keine Kommunikation ist, keine Botschaft hat, sondern ein eigenes Sinnuniversum darstellt. Der Schlüssel zu diesem Universum ist eben das Schweigen, es geht darum, im geschriebenen Wort das Unhörbare zu bannen, was auch die künstlerische Nähe des Norwegers etwa zu Mark Rothko oder Meister Eckhart erklärt, erkennt Magenau. Der Rezensent fühlt sich getröstet von diesem Band, der dem Dauergequatsche unserer Zeit mit der Macht der stillen Worte begegnet.

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