Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Ein Mann setzt sich ins Auto und beginnt zu fahren, ohne zu wissen, wohin er will. Er biegt mal rechts, mal links ab und bleibt schließlich am Ende eines Waldweges stecken. Es dämmert und beginnt zu schneien, doch anstatt umzukehren und Hilfe zu holen, wagt sich der Mann törichterweise in den dunklen Wald hinein. Tiefer und tiefer dringt er vor in die Dunkelheit, bis er sich unweigerlich verirrt. Er ist müde und friert, als ihm tief in der Finsternis des Waldes ein leuchtendes Wesen begegnet.
Die Gnade regiert in diesem schmalen Buch Jon Fosses, so Rezensentin Katharina Teutsch. Die Erzählung begleitet einen Mann in der norwegischen Einsamkeit auf seinem Weg in den Wald, wo er mit dem Auto im Schnee stecken bleibt, dann zu Fuß weiterläuft - und seinen Eltern begegnet, lernen wir. Beziehungsweise einer Vision seiner Eltern, denn es geht um Erleuchtung, auch wenn die Fosse insgesamt eher distanziert gegenüberstehende Rezensentin die Dialoge, die diese Elternwesen führen, an Loriot erinnert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2023
Rezensentin Sigrid Löffler geht hart ins Gericht mit Jon Fosse. Dem Rat, sich nicht gleich die enorme Heptalogie vorzunehmen, sondern einen Einstieg ins Werk über diesen kleinen Text ("eine Art Antichambre") zu suchen, folgt bei Löffler Literaturnobelpreisträgerschelte. Die Geschichte um einen Mann, der in einen Wald vordringt und eine Erscheinung hat, bleibt laut Löffler im Ungefähren. Das Ende steht stilistisch "im Zeichen des Irgendwie", erklärt sie. Löfflers erster Verdacht, der Autor "verulke" mit seinem Buch einen Nahtod-Bericht der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, bestätigt sich nicht. Denn: "Fosse hat keinen Humor".
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