Mit einem Nachwort von Dieter Mehl und 16 Illustrationen von Anton Christian. Aus dem Englischen von Christa Schuenke. Als naiver Gutmensch geht der Schiffsarzt Gulliver auf Reisen, um am Ende seiner phantastischen Abenteuer als desillusionierter Menschenverächter heimzukehren. Allein durch die Verschiebung der Größenverhältnisse im Zwergenland Lilliput und in Brobdingnag, dem Land der Riesen, ist alles menschliche Treiben der Lächerlichkeit preisgegeben. Während er in Lilliput eine ganze Kriegsflotte mit einer Hand übers Meer ziehen kann und sein Appetit eine Hungersnot auszulösen droht, muss er unter den Riesen selbst als Spielzeug in der Hand eines Säuglings um sein Leben fürchten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2007
Wunderbares Buch! jubelt Steffen Martus, ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob "Gulliver" etwas fürs Kinderzimmer ist oder ob seiner aufklärerischen Tendenzen, der satirischen Tiefschläge, des "düsteren, brutalen Grundton" und der "kruden Leiblichkeit" in den Beschreibungen nicht doch besser Erwachsenen vorbehalten bleiben sollte. Swifts "Radikalkritik" des Menschen liest der zweifellos erwachsene Rezensent mitunter wie eine literarische Vorbereitung heutiger Körpermoral, seinen Jahrmarkt der Eitelkeiten und Gemeinheiten als Hinweis auf die "konstitutiven Schattenseiten der Aufklärung". Wonnevoll auch das. Und fügten sich die von Martus eher für fragmentarisch gehaltenen Illustrationen etwas besser in die ansonsten "klassische" Harmonie von Papierqualität, Typografie, Format, Anmerkungen und Übersetzung ("gediegen, nicht modernisierend") - der Rezensent wäre vollends zufrieden und glaubte sicher noch mehr an die für ihn im Text verborgene Botschaft, "dass der Mensch so schlecht nun doch nicht sein kann".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Vielleicht das "schönste" Buch der Saison ist Jonathan Swifts "Gullivers Reisen" für den hingerissenen Kurt Flasch. Wer glaubt, dass der vierteilige Roman nur ein Abenteuerbuch für Kinder sei, irrt und sollte sich vor allem die beiden letzten Bücher ansehen, in denen Gulliver erst zu den Wissenschaftlern, dann zu den "weisen Pferden" reist und höchst aufschlussreiche Erkenntnisse über die Menschen gewinnt, erklärt der Rezensent. Wenn er die Vorzüge der Neuausgabe preist, kommt er aus dem Schwärmen gar nicht heraus und rühmt einfach alles, von Anton Christians Illustrationen über die Papierqualität bis zur neuen Übersetzung von Christa Schuenke. Insbesondere letzere findet der begeisterte Rezensent in ihrem "antikisierenden" Duktus gewagt und meisterhaft gelungen. Flasch empfiehlt dieses Buch fast uneingeschränkt für alle und rät nur Regierenden ab, sich von dem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts den Spiegel vorhalten zu lassen, weil das nur zu "Melancholie" führen kann, wie er mutmaßt.
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