Jordan Raditschkow

Die Schleuder

Cover: Die Schleuder
eta Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783949249075
Gebunden, 220 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Bulgarischen von Andreas Tretner. Lewatschko wächst heran in einem Bergdorf im Nordwesten Bulgariens, das immer enger wird für Kopf und Herz. Eines Nachts tritt der Fluss über die Ufer, und der Junge ist weg. In der Tischlade sein Tagebuch, aus dem die Hinterbliebenen in ihrer Befangenheit kaum schlau werden: Darin schießt die Fantasie üppig ins Kraut der Ziegenweiden, tragen Fuchs, Wolf und Hund nebst einigen Geistern ihre Sicht der Dinge bei, und manches wird berichtet, noch ehe es geschah.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.08.2022

Rezensent Tobias Lehmkuhl möchte mehr lesen von Jordan Raditschkow. Dessen nun auf Deutsch vorliegender Roman von 1977 führt ihn in eine vorindustrielle Welt im Norden Bulgariens, wo das Handwerk noch etwas gilt und Völker wie die Torlaken und die Karakatschanen leben. Dort verschwindet in den 1960ern ein junger Mann und gibt Anlass zu Spekulationen zwischen Schmied und Müller, während der Sozialismus in eine ungewisse Zukunft weist. Für Lehmkuhl ein "zeitloses Meisterwerk" mit einer zum Greifen gerundeten Sprache.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2022

Rezensent Jörg Plath freut sich über die Wiederentdeckung des bulgarischen Schriftstellers Jordan Raditschkow. In seinem nun erstmals auf Deutsch übersetzten Roman wendet sich ein junger Mann namens Lewatschkow der Literatur zu, in der Hoffnung in ihr den nötigen Sinn zu finden, der ihm im dörflichen Leben abhandengekommen ist. Nach seinem Verschwinden geben jene Aufzeichnungen den Hinterbliebenen Rätsel auf, die ein "Expertenrat" aus einem Autor und dem Vormund des Mannes lösen sollen, resümiert der Rezensent. Plath entdeckt darin ein "postmodern wirkendes Mosaik" aus Geschichten und Stimmen, das geprägt ist von den detailreichen Beschreibungen Lewatschkows des Dorflebens und der Natur, aber ebenso von den Kommentaren des anderen Autors und dem Austausch mit dem Vormund, welcher sich zur komischen Satire auf die dörfliche Einfalt entwickelt. Plath bewundert, mit welcher Souveränität Raditschkow dabei jegliche Frage offenhält und so auf feinfühlige Weise den Niedergang dörflicher Kultur abbildet.

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