Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.07.2005
Josef Kraus' "Rumpelstilzchen-Gepolter" gegen die PISA-Studie lässt Christine Brinck kopfschüttelnd zurück. Schon im Untertitel "Unsere Kinder sind besser als ihr Ruf" entdeckt sie die erste Ungenauigkeit, schließlich gehe es nicht um die Qualität der Kinder, sondern um die der Schulen. Fast empört ist die Rezensentin darüber, dass Kraus in seiner Verteidigung des hiesigen Schulsystems die Ausländerkinder herausrechnet. Die Niederländer tun das ja auch nicht, meint Brinck, und schneiden im Vergleich trotzdem besser ab. "Stammtischmäßig leicht" mache es sich Kraus, seit 1987 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, wenn er die Daten aus den Tests mit einer Handbewegung abtut, auf der Unvergleichbarkeit der Ergebnisse besteht und gegen "Endlos-Zahlenkolonnen" wettert, um im gleichen Atemzug ausgiebig Statistiken zu zitieren, die ihm zupass kommen. Zum in Deutschland besonders deutlichen Zusammenhang zwischen Leistung und sozialer Herkunft der Schüler findet Brinck in dem Band zu ihrem Missfallen gar nichts. Nur einmal gibt sie Kraus recht: wenn er den Finnland-Tourismus der deutschen Pädagogen kritisiert. Da wäre ein Besuch im demographisch ähnlicheren England angebrachter, wie auch die Rezensentin meint.
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