Es beginnt im indischen Ellora, wo der Erzähler stundenlang durch die buddhistischen, aus dem Fels gehauenen Tempel geht. In den Ruhepausen schlägt er Ilse Aichingers "Kleist, Moos, Fasane" auf. Durch einen bestimmten Satz sieht er sich ins Jahr 1943 versetzt, in dem der Großvater einen Brief ausgehändigt bekommt, worin steht, dass nun auch Adam, sein dritter Sohn, im Krieg gestorben ist. Seine Tochter, die spätere Mutter des Erzählers, wird über den Tod des Bruders mit den Worten "Der Adam kommt auch heim, aber anders..." in Kenntnis gesetzt. Daraufhin kehrt Schweigen in den Bauernhof ein. Ihr Leben lang wird die Mutter, die kürzlich gestorben ist, eine Schweigende sein. "Mutter und der Bleistift" schildert Szenen aus ihrem Leben. Peter Handkes Muttererzählung "Wunschloses Unglück" mischt sich ein, dazu "Abschied von den Eltern" von Peter Weiss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2013
Josef Winkler ist der Marcel Proust des ausgestorbenen katholischen Landlebens, jubelt Rezensent Friedmar Apel und liefert nach der Lektüre des inzwischen einundzwanzigsten Buches des Schriftstellers auch die Begründung: Wie ein einziges Werk erscheinen dem Kritiker die Erzählungen Winklers, der immer wieder um das Thema der Verdrängung des Todes kreist und eben jener entgegenwirkt, indem er sich auf Schmerz, Leiden und Tod konzentriert, dabei auch nicht vor drastischen Schilderungen der Ekelhaftigkeit zurückschreckt und dennoch zugleich stets eine "emphatische Hinwendung" zum Lebendigen proklamiert. So erfährt der Kritiker auch in dem neuen Roman "Mutter und der Bleistift" ein nahezu "körperliches Wohlgefühl", wenn sich Winkler schreibend an seine verstorbene Mutter, das Rattern der Nähmaschine in der stillen, nach Weihrauch und Chrysanthemen riechenden Küche und das Dorfleben in Kamering in Kärnten erinnert. Ein Buch von außerordentlicher Sinnlichkeit, lobt der Rezensent.
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