Mit über 90 Zeichnungen von Johannes Grützke aus dem Frühjahr 2000. 150 Jahre nach der Erstausgabe neu gesetzt nach der besten Textedition von Friedrich Panzer, also auch (klein gedruckt im Anhang) mit jenen fast 300 Anmerkungen, in denen Scheffel die Quellen seiner historischen Phantasie belegt. Mit einem Nachwort von Hansgeorg Schmidt-Bergmann. Im Vordergrund des Romans stehen die unsteten Begehrlichkeiten einer wissensdurstigen Frau, der Herzogin Hadwig von Schwaben, die sich einen Lateinlehrer aus dem Kloster St. Gallen zur Unterhaltung auf ihre Burg Hohentwiel holt. Und die Verwandlung des attraktiven Mönchs Ekkehard von einem fanatischen Fachidioten (= klösterlichen Eiferer) in einen zu spät entschlossenen Liebenden, den das Leben prompt mit einer asketischen Dichterexistenz bestraft. Der Autor Joseph Victor von Scheffel (1826?1886) verwob in seinem Roman alles, was ihm mit 28 Jahren zu schaffen machte: seine profunden Kenntnisse über Alltagsleben in Klöstern und Burgen am mittelalterlichen Bodensee, seine Lust zum kühnen Spiel mit akademischer Geschichte, den höchst privaten Schmerz einer Liebesabweisung und seine Lust, eine staatliche Laufbahn gegen eine freiere Dichterexistenz zu vertauschen. Er brachte das so gekonnt in sein Buch, dass es jahrzehntelang zum meistgelesenen historischen Roman wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000
Zur großen Zufriedenheit von Thomas Köster ist das Werk, dass zu Lebzeiten seines Autors 90 Auflagen erlebte, jetzt neu aufgelegt worden. Das 1855 erschienene "herrlich altertümelnde Prosaepos", das an das mittellateinische "Waltharilied" von Ekkehard I. angelehnt ist, überzeugt den Rezensenten durch seine Sprachgewalt, die mitunter auch "humorvoll" den Werdegang eines Mönches beschreibt, der sich durch ein Liebesabenteuer verwirrt vom Klosterleben abwendet und schließlich Schriftsteller wird. Köster ist begeistert von der "unterhaltsamen" Mischung aus Historie und Fiktion und findet, dass der "Lieblingsautor Otto von Bismarcks" diese verlegerische Neubelebung wirklich "verdient" hat.
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