Herausgegeben und betreut von Bernhard Stettler (Universität Zürich). Seit kurzem liegt die historisch-kritische Ausgabe der Chronik des Glarner Humanisten und Universalgelehrten Aegidius Tschudi (1505-1572) abgeschlossen vor. Die Edition von Tschudis Hauptwerk wurde 1956 in die Wege geleitet. Sie erschließt mit Sachkommentar und Registerbänden sowie einem Urkundenverzeichnis und einem Glossar ein Schlüsselwerk der schweizerischen Historiographie für die wissenschaftliche Forschung. Tschudis Chronik umfasst die Jahre 1000-1470 und liegt für die Zeit von 1200-1370 in zwei Fassungen aus unterschiedlichen Lebensphasen vor, was Einblicke in seine Arbeitsweise und in den Wandel seiner Auffassungen ermöglicht. Dem Editionsteil der Hauptbände 3 und 6-13 vorangestellt sind Untersuchungen des Bearbeiters zur älteren Schweizergeschichte, die Tschudis (vielfach bis heute tradiertes) Geschichtsbild kritisch hinterfragen und sich als Beiträge zu einer neuen Sicht der politischen Geschichte der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2002
In seinem "Chronicon Helveticum" brachte Aegidius Tschudi (1505-1572), berühmter Schweizer Chronist und Historiker als Erster die ältere Überlieferung zur Eidgenossenschaft in ein "klares Konzept", berichtet Rezensent Thomas Maissen. Tschudi verewigte darin, so Maissen, die "wirkungsmächtige Vision einer geografisch klar umrissenen, zeitlosen und freiheitlichen Eidgenosenschaft". Wie Maissen detailliert ausführt, wurde Tschudis Chronik zunächst indirekt, später in einer mangelhaften Ausgabe rezipiert. Eine kritische Edition des Werkes wurde laut Maissen 1956 in Angriff genommen, mit dem Zürcher Professor Bernhard Stettler begann dann ab 1964 die vom Nationalfonds und von der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften finanzierte kontinuierliche Editionstätigkeit. Mit deren Abschluss liegt Tschudis Chronik laut Rezensent nun in insgesamt dreizehn Hauptbänden, zwei Ergänzungs- und vier Registerbänden, einem Glossar sowie einem Verzeichnis der Dokumente und Lieder vor. Dazu kommt ein "Tschudi-Vademecum", worin Stettler nach Einschätzung Maissens die Welt des Chronisten in "meisterlicher Kürze" vermittelt. Maissen lobt an Stettlers "Lebenswerk" insbesondere die Einleitungen zu den Teilbänden, sowie seine zahlreichen "akribischen" Fußnoten; beides habe unser Wissen über die Historiographie und die mittelalterliche Eidgenossenschaft im besonderen stark erweitert und wichtige Einblicke in Tschudis Arbeitsweise ermöglicht.
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