Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Die Zwillinge Jarik und Dima wachsen nach dem Tod des Vaters auf dem Bauernhof ihres Onkels auf, die Tage verbringen sie in den Kornfeldern und die Nächte im Bann der mythischen Geschichten aus dem russischen Sagenschatz. Jahre später arbeiten die Brüder Seite an Seite in der Oranzeria, dem gigantischen Gewächshaus, das sich hektarweit in alle Richtungen erstreckt. Bald ist die Arbeit das Einzige, was sie verbindet: den robusten Jarik, verheiratet und Vater zweier Kinder, und Dima, den Träumer, der allein bei der Mutter lebt. Doch eine Begegnung mit dem Besitzer der Oranzeria verändert alles: Während Dima sich ambitionslos dahintreiben lässt, wird Jarik immer weiter befördert, bis sie schließlich zu Aushängeschildern gegensätzlicher Ideologien werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2016
Rezensent Tobias Döring kann auf vieles in diesem Roman von Josh Weil verzichten. Dass der Autor sowohl den Wirklichkeitssinn als auch den Möglichkeitssinn des Lesers ansprechen möchte, nimmt er zunächst hin, fragt sich aber schon bald, wozu eigentlich. Die im postsowjetischen Russland angesiedelte Geschichte erscheint ihm als Zwitter zwischen realistischem Politthriller, archaischem Bruderdrama und Putin-Parodie. Zu viel, meint Döring. Auch wenn der Autor sich 700 Seiten Zeit nimmt, bleibt die Handlung seltsam dünn, bleiben die Figuren starr und ikonenhaft, findet er. Fabel und Zeitgeschichte finden in diesem Roman nicht zueinander, kritisiert Döring.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 26.11.2015
Rezensentin Anna-Lena Scholz kann sich von Josh Weils geradezu barocker Schönschreibkunst leider nicht über die fehlende Tiefe seines Romans "Das gläserne Meer" hinwegtrösten lassen. Zu schwer erscheint ihr das allegorische Gebälk, unter dem der fast siebenhundert Seiten starke Roman ächzt, zu durchsichtig die moralische Botschaft, die hier in Form von Kapitalismuskritik vorgetragen wird. Zwar sympathisiert die Rezensentin mit Weils Figuren, allen voran den Zwillingen Jarik und Dima, die ideologisch weit voneinander entfernt sind, und auch der ornamentalen Sprache kann sich Scholz nicht immer entziehen. Die Kritik an den psychologischen und metaphysischen Kosten der Moderne wirkt auf die Rezensentin aber leider nur "einlullend".
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