Louise Glück

Marigold und Rose

Eine Erzählung
Cover: Marigold und Rose
Luchterhand Literaturverlag, München 2024
ISBN 9783630877693
Gebunden, 64 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné. "Es ist wahr, dachte Marigold; es ist bloß nicht real." Die erstaunliche Chronik des ersten Jahres im Leben von Zwillingsmädchen: Rose bezaubert mit ihrem Lächeln, sie ist abenteuerlustig, mutig und kommt ganz nach der Mutter. Marigold beobachtet, ist so zurückhaltend wie der Vater. Und sie will ein Buch über sich und ihre Zwillingsschwester schreiben - natürlich erst, wenn sie sprechen und lesen kann. Zwischen Badezeit und Mittagsschlaf, dem Kennenlernen mit der einen Großmutter und dem Abschiednehmen von der anderen versuchen Marigold und Rose, der Fragen in ihrem Kopf Herr zu werden. Warum ist meine Schwester so anders als ich? Ob Mutter mich lieber hat? Oder Vater? Darf ich denken, was ich denke? Und wie nur kann ich mich ohne Worte ausdrücken? Anhand dieses kleinsten Kosmos des ersten Lebensjahres beschreibt Louise Glück das, was uns zu Menschen macht, untersucht das große Geheimnis der Sprache und das der Zeit, dessen, was ist und was war und was sein wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2024

Was sind wohl die Hintergründe dieses Textes von Louise Glück, überlegt Rezensent Tobias Lehmkuhl und stellt ein paar Vermutungen an: Die Zwillingsbabies Marigold und Rose, in deren Innenwelt Glück uns versetzt, könnten für die Unvereinbarkeit des Schriftstellerlebens stehen, einerseits in der mehrfach codierten Welt der Wörter zu leben, so wie Marigold, und andererseits die Anforderungen des Alltags nicht aus den Augen zu verlieren, wie die pragmatischere Rose. Ein Zwiespalt, den die Autorin Lehmkuhl zufolge mit erzählerischer Flexibilität und ohne dogmatische Vorgaben, sich für eine Sichtweise zu entscheiden, erschreibt - wie die Widmung vermuten lässt, vielleicht für ihre Enkelkinder. So oder so ist der Text aber vor allem für Erwachsene eine lohnende Lektüre, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.06.2024

Hingerissen liest Rezensent Ijoma Mangold das erste Prosawerk der verstorbenen Literaturnobelpreistägerin Louise Glück. Die beiden Hauptfiguren sind Babies und die Handlung spielt größtenteils dort, wo diese sich am meisten aufhalten: im Laufstall. Wer jetzt denkt, dass das Leben von so kleinen Kindern nicht viel literarischen Stoff hergibt, täuscht sich gewaltig, so Mangold. Sprechen können die kleinen Wesen noch nicht, denken aber schon. Und die Worte, die die Autorin ihren niedliche Protagonistinnen in den Mund legt, sind so gut abgestimmt auf "ein frisch geschlüpftes Bewusstsein", jubelt Mangold, dass man nie das Gefühl hat, hier erzählt eine Erwachsene. Schön auch die Charakterzeichnung der beiden: Marigold grübelt viel und findet das Leben schwierig, Rose ist eher ein Sonnenschein - der Rezensent könnte den beiden jedenfalls ewig zuhören, wie sie die Welt entdecken.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.05.2024

"Eine Prosa von philosophischer Anmut" liest die begeisterte Rezensentin Meike Feßmann in Louise Glücks erstem Prosawerk über das erste Lebensjahr der Zwillinge Marigold und Rose. Die beiden erzählen aus ihrer eigenen Perspektive davon, wie schön dieser Neubeginn ist, den Körper und die Welt entdecken zu können und das in der besonderen Konstellation von Zwillingen, die zwar zusammengehören, aber doch unterschiedlich sind und, wie Feßmann lobt, viele der großen Themen Glücks von Zusammenhalt, Privatheit und Gemeinsamkeit in einer Art "sokratischem Dialog" aufgreifen. Gewissermaßen ein Zwiegespräch über das Zwiegespräch, das die Kritikerin hier vor sich hat und aus dem sie ausführlich und mit großer Begeisterung zitiert.

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