Judith Kuckart

Die Autorenwitwe

Erzählungen
Cover: Die Autorenwitwe
DuMont Verlag, Köln 2003
ISBN 9783832160036
Gebunden, 140 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Sechs Geschichten, sechs Schicksale, sechs Menschen. Sie beginnen, "ihr Leben zu betrachten, wie man einen langen Regentag betrachtet, die Ellenbogen auf dem Fensterbrett". Da ist die Frau mit dem großen Hund, die statt ihres Schriftstellergatten eine Stadtschreiberstelle in der ostdeutschen Provinz antritt und ihre eigene Leere findet. Da ist der Lehrer, der nach dem Tod seiner Frau eine Schülerin trifft, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Da ist die Frau, die für andere Leute Blumen gießt und auf erschreckende Geheimnisse stößt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2003

Als Meisterin im Sezieren von beunruhigenden Emotionen lobt Rezensentin Pia Reinacher Judith Kuckart für ihr neues Buch. Die darin enthaltenen sechs Erzählungen "reden von lauwarmen Gefühlen", lesen wir, die sich "unter das Mäntelchen erhabener Verzückung" verkrochen haben. Die Typen dieser Erzählungen findet die Rezensentin aus dem Leben entliehen, im Zentrum dieser Geschichten stets originelle Einfälle versteckt. Auch die Manöver in der Sparte "Verstrickung und Debakel" beurteilt die Rezensentin in der Regel als gelungen. Auf die Länge der Erzählungen allerdings erweist sich für sie, bei allen erzählerischen Qualitäten, die Fokussierung auf das Thema Damenliebe und -leben als Nachteil: denn mit der Zeit setzt sich in ihr die Einsicht fest, dass es literarisch gesehen zur Beschränkung werden kann, wenn die große Welt in dieser kleinen Welt ausgespart bleibt. Fast hat sie schließlich den Eindruck, dass ihr aus jeder Geschichte am Ende das immer gleiche Gesicht entgegenblickt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2003

Judith Kuckarts Vorliebe für " karge Parataxen und die Hohlräume zwischen den Sätzen, die viel offen lassen", zeigt sich auch in diesem Erzählband, schreibt Rezensent Hans Christian Kosler. Hier gehe es um Menschen, nein um Frauen, nicht mehr jung und auch noch nicht alt, denen es an etwas mangelt, an der Liebe nämlich. Bei Kuckart scheitern sie nicht an ihren zu hochgesteckten Erwartungen, sondern an der mangelnden Fähigkeit, sich mit der "Entzauberung des Lebens" zu arrangieren, erläutert Kosler. Ihm haben die Erzählungen nicht gefallen. Die Figuren können sich nicht entwickeln, findet er, ihre Depressivität wirke "lediglich übergestülpt". Der "Leidensnarzissmus", der die Erzählungen durchzieht, ist ihm ebenso negativ aufgefallen wie die konventionelle, abgedroschen wirkende Metaphorik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2003

Meike Fessmanns Urteil über diesen Band mit sechs Erzählungen, in denen es um das Älterwerden und die Liebe geht, wie sie zusammenfasst, ist insgesamt positiv, wenn auch nicht ganz ungetrübt. Sie macht in den Texten eine "erotische Energie" aus, die ihr zumeist gefällt, ihr manchmal aber auch etwas" angespannt" erscheint. Allerdings sieht sie bei der Autorin die Gefahr zur "Überinstrumentierung" und ihre Experimente mit der "Erzählperspektive" scheinen ihr mitunter "hart an der Grenze zum Misslingen". Dennoch zeigt sich Fessmann beeindruckt von Kuckarts "erzählerischem Raffinement", das sie insbesondere an der letzten Erzählung dieses Bandes preist. Die Rezensentin betont, wie "sprachgewandt" die Autorin ist, und sie lobt ihre Fähigkeit "Stimmungen" zu evozieren. Trotzdem merkt Fessmann kritisch an, dass Kuckart den Hang hat, ihre Geschichten durch ihren Wunsch nach Perfektion und Schönheit in einen "Kunstraum" einzuschließen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Ein wenig enttäuscht zeigt sich Silja Ukena von Judith Kuckarts neuem Buch, das von Frauen erzählt, die immer auf den Falschen warten, von Liebhabern und Geliebten, von Betrügern und Betrogenen. Denn anders als etwa in ihrem Roman "Lenas Liebe" sei es der Autorin diesmal nicht immer geglückt, sich so zielsicher und mit der ihr eigenen "beharrlichen Unaufdringlichkeit" an die Fragen um die Liebe, die Hoffnung und das Glück heranzuschreiben kann, bedauert Ukena, die sich außerdem an viel Unfertigem und an Passagen stört, die ihr mit zu viel unnötiger Bedeutungsschwere aufgeladen sind. Doch die Rezensentin hat auch kluge Sätze und Gedanken über unser Bedürfnis nach Wärme in dem Buch gefunden, so dass sie es alles in allem nicht schlecht finden kann.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…