Martin Kluger

Der Koch, der nicht ganz richtig war

Geschichten
Cover: Der Koch, der nicht ganz richtig war
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832178536
Gebunden, 146 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Liebe, Sehnsucht und Melancholie sind die Fäden, aus denen Martin Klugers hochgestimmte Erzählungen gewoben sind: Ein wunderlicher Koch verliebt sich unsterblich in eine Krankenschwester, die jeden Morgen zu ihrer Arbeitsstelle schwimmt. Um sie zu gewinnen, kocht er sich die Seele aus dem Leib. Ein ferner Onkel wird schwermütig, "er studierte das Fach Sehnsucht, reduzierte es auf das Wesentliche, die Sucht, und verspielte, was ihm unter seine schönen schlanken Finger kam, Jahresgehälter, Tageslöhne, Portokassen." Zwischen Litauen, Uruguay und Berlin-Steglitz erschafft Martin Kluger eine strahlend schöne, strahlend traurige Welt. Seine Geschichten sind Erinnerungen, farbenfrohe Denkmäler für das zwanzigste Jahrhundert und den Nachhall seiner Katastrophen. Wir betreten eine untergegangene Epoche, die bevölkert ist von Feuerspuckerinnen, Frauenärzten, Frisören und "meinen Leutchen" aus dem europäischen Osten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2007

Die gelegentliche Hermetik dieser "schicksalsgenähten" Emigrantengeschichten stört den Rezensenten nur am Rande. Bemerkenswerter, entzückender erscheinen Wolfgang Schneider ihre vielen Vorzüge: ihr "subtiler" Aberwitz, ihre Melancholie und "exotische" Sprachmagie ("fast Prosagedichte"), das Changieren zwischen genauer Wahrnehmung und bewusst unscharfem Memorieren. Das alles erinnert Schneider angenehm an Bruno Schulz und Bilder von Chagall. Auch hier: alles irgendwie verbunden, privatmythologisch. Vom "außerordentlichen" Martin Kluger, auftretend in der Rezensentenstube in den Kleidern des chassidischen Märchenonkels, wünscht sich Schneider mehr und, wie erwähnt, gern auch Lesefreundlicheres.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Rezensent Ulrich Rüdenhaus ist sehr begeistert von den in diesem Band versammelten "träumerisch hingeworfenen" Erzählungen, mit denen Martin Kluger sich aus seiner Sicht erneut als einer der bemerkenswertesten Gegenwartsautoren ausgewiesen hat. Kluger konfrontiere in seinen Erzählungen das "furchtbare letzte Jahrhundert" mit "der Idylle, der Genauigkeit des Blicks" und der "Unzuverlässigkeit der Erinnerung". Schon die Namen der Figuren, die diese Geschichten bevölkern, sprechen Bände für den Rezensenten und schließen ihm ganz eigene Sprach- und Erzählgebäude auf. In den kurzen Inhaltsskizzen klingen die Geschichten oft skurril und melancholisch grundiert. Manchmal gerieten sie tatsächlich ins "manieriert Lyrische", gibt Rüdenhaus zu Protokoll. Aber diese Sprachverliebtheit empfindet er meistens als Stärke, und zwar so sehr, dass er die Geschichte laut lesen oder vorgelesen bekommen möchte. Er liebt auch ihre "Welthaltigkeit", die beiläufige Verdichtung, und "kleine Irritationen" sowie die Art, wie Kluger aus seinen Erzählungen sich Erinnerung herausschälen lässt.
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