Eine Gegenwart, in der talentierte Verbrecher keine Banken mehr ausrauben, sondern Nutzerdaten verkaufen, ist keine gute Zeit für Oldschool-Detektive. Karl Wolfgang Flender schickt sie trotzdem raus in die dunklen Straßen - auf die Spur einer Verschwörung, die sich gewaschen hat.
Seine ganze Jugend über waren sie Bryan Austers Helden: die großen Privatermittler von Chandler oder Hammett, die einsamen Wölfe mit Zigarette, Hut und Trenchcoat. Einige Wochen Krankheitsvertretung in der Detektei seines Vaters reichen aus, um ihren Mythos zu zerlegen. Trister Alltag, klägliche Routinen, weit entfernt von düsterem Glamour oder irgendeiner Relevanz. Doch dann wird Bryan Zeuge eines echten Verbrechens. Und findet Geschmack am Ermitteln - mit fatalen Folgen. Nur wenige Straßen weiter ist Kommissarin Colleen McCollum unterwegs. Sie hasst ihren Joballtag, ihre unfähigen Kollegen, die Erbärmlichkeit der Verbrecher. Und wird mit einer bizarren Mordserie konfrontiert, die sie zwingt, noch einmal ganz neu über ihr Leben und ihre Profession nachzudenken...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2019
Sofia Glasl zeigt sich zwar beeindruckt von der Armee an Detektiven und literarischen Motiven, die Karl Wolfgang Flender hier auffährt, aber letztlich enttäuscht sie der Versuch, dem Detektiv-Krimi neues Leben einzuhauchen. Viel mehr als eine popkulturelle Nummernshow mit Reminiszenzen von Chandler über Dick Tracy und Magnum bis Tatort und ein Haufen von Ermittler-Lookalikes kommt dabei laut Glasl leider nicht heraus. Vielleicht ein Buch für selbstironisch begabte Genre-Fans, die auf Handlung auch mal verzichten können und sich mit Flenders entzauberndem, durchaus spaßigem Meta-Blick amüsieren können, meint die Rezensentin. Sie selbst hätte sich lieber eine echte Erneuerung gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2018
Jan Wiele freut sich an der Kritik an der Entzauberung der Welt in Karl Wolfgang Flenders Neukölln-Krimi. Das hard-boiled Genre taucht im Text laut Wiele immer wieder als Reminiszenz an bessere Zeiten mit Donut verschlingenden Cops und einem Revier voller Geheimnisse auf. Solche satirisch grundierten Anspielungen und nostalgischen Kolportagen erscheinen dem Rezensenten beinahe wichtiger als der Plot des Buches, in dem ein Mord, ein Seitensprungportal und eine Investment-Firma irgendwie miteinander zusammenhängen und zu Verschwörungstheorien anregen.
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