Alles passt zusammen: die Leiche im Park mit der Pagode, das Geständnis des Mörders, die Zeugenaussagen, die Gutachten. Da taucht zwanzig Jahre später plötzlich die vermeintlich Ermordete in Peking wieder auf. Wer ist das Opfer, wer der Täter? Und zu welchem Mord passt das Geständnis? Doch der Fall des Schülers Teng Xingshan, der sich in die exotisch-schöne Geschichtslehrerin mit den europäischen Augen verliebt hat und dessen Passion zur Obsession wurde, kann nicht neu aufgerollt werden - der vermeintliche Mörder ist längst hingerichtet worden... Inspiriert von der Meldung einer chinesischen Nachrichtenagentur und in Anlehnung an den legendären Film "Rashomon" des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa lässt Jürg Amann fünf Betroffene fünfmal die gleiche Geschichte erzählen, doch es ist jedesmal eine andere.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2008
Begeistert ist Sibylle Saxer von Jürg Amanns "Kriminalnovelle", die sich den gängigen Krimigesetzen verweigert und in ihrer Dekonstruktion erst Sinn stiftet, wie sie versichert. Es geht um einen Mord vor 20 Jahren an der jungen Shi Xiaorong, für den ihr Liebhaber Teng hingerichtet wurde. Das angebliche Mordopfer taucht plötzlich wieder auf und nun wird aus verschiedenen Perspektiven versucht, Licht in dieses Dunkel zu bringen, erklärt die Rezensentin. Ein bisschen beunruhigt ist sie bei der Passage, in der Shi selbst berichtet, doch stellt sie erleichtert fest, dass Amann anstelle einer unbefriedigenden Auflösung hier eine "Leerstelle" lässt und die Frage nach Schuld und Unschuld, Opfer und Täter nicht mit einer wohlfeilen Wahrheit beantwortet. Dies alles schafft der Autor sprachlich brillant und in bewunderungswürdiger Knappheit, schwärmt Saxer, die das Buch deshalb nur wärmstens empfehlen kann.
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