Parteienhass, Parteienfrust oder Parteienverdrossenheit gibt es an Stammtischen ebenso wie in Seminaren und elaborierten Abhandlungen. Infolge der Globalisierung und der Wiedervereinigung wurden die Grenzen der Problemlösungskompetenz der Parteien vor allem an der andauernden strukturellen Arbeitslosigkeit sichtbar. Die Rede vom Reformstau des Staatswesens kam auf. Die Parteien wurden als die Schuldigen hingestellt. Diese trugen mit ihren Verkrustungen dazu bei, das negative Urteil über sie zu bestätigen. So ist es recht und billig, wenn der immer nachhaltiger werdende Ruf nach Reformen auch an das Parteiensystem gerichtet wird: Die Parteien haben zu wenig Mitglieder und Anhänger - und das in abnehmender Zahl. Ihre leitenden Funktionäre haben oft die Bodenhaftung verloren und bewegen sich merkwürdig egozentrisch im "Raumschiff Politik". Die Parteien erscheinen als geschlossene Gesellschaften, nicht zugänglich für außen stehende Kreise. Wenn das Gesundheits-, das Steuer- und alle anderen gesellschaftlichen Organisationssysteme auf dem Prüfstand stehen, dann gehört das Parteiensystem dazu. Die Parteien müssen sich reformieren, wenn sie überleben wollen. Sind die Parteien noch zu retten? Die Antwort lautet: Ja, wenn sie Reformen auch an sich selber durchführen mit dem Ziel, sich dem Volk zu nähern, das sie ja vertreten sollen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2004
Zufrieden zeigt sich Rezensent Karl-Rudolf Korte mit diesem Buch über "Entwicklungen, Defizite und Reformmodelle" der deutschen Parteien, das der Potsdamer Politikwissenschaftler Jürgen Dittberner nun vorgelegt hat. Zwar revolutioniert Dittberner die Parteienforschung nicht, findet Korte, aber er systematisiere die Forschungsergebnisse und problematisiere in grundsätzlicher Ausrichtung die Parteiendemokratie. Mit einem eindeutigen Ja beantworte er die Leitfrage, ob die Parteien noch zu retten sind. Schließlich seien sie unverzichtbar für die demokratische Willensbildung, unersetzbar für den Wahlakt und essentiell für die Regierungspraxis. Dittberners Vorschläge zur Rettung der Parteien findet Korte durchaus hilfreich. Allerdings hätte er sich eine etwas ausführlichere Untersuchung des Problems gewünscht, dass Parteien professionelle Machterwerbsorganisationen und Problemlösungsagenturen zugleich sind. "Originalität" bekomme Dittberners Analyse durch den häufig persönlich wertenden Duktus in Form von essayistischen Einschüben, die vom übrigen Text abgesetzt sind.
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