Das Vorpreschen von Gerhard Schröder gegen den amerikanischen Irak-Krieg hat diesseits und jenseits des Atlantiks alte Ängste geweckt. Beschreitet Deutschland wieder einmal einen Sonderweg? Welche Allianzen sind möglich? Die große Chance, so Jürgen Elsässer, liegt in der Rückbesinnung auf eine europäische Entspannungspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2004
Als "Marxismus Reloaded" mit dem "Charme des Kontrafaktischen", bezeichnet Wilfried von Bredow Jürgen Elsässers Buch über den deutschen Sonderweg: "originell", aber "empirisch und normativ taub". Er wirft dem Autor eine haltlose ideologische Anstrengung und die falsche Darstellung historischer Tatsachen vor. Denn zum einen, ärgert sich unser Rezensent, verwende der Autor seinen "politökonomisch überspitzen Scharfsinn" dazu, in die "grellen Untergangsszenarien des gegenwärtigen Kapitalismus (gleich Neoliberalismus) die Auferstehungssequenz für einen paradiesischen Sozialismus einzuschmuggeln" und zum anderen behaupte Elsässer, die USA hätten sich die alte Bundesrepublik nur als europäischen Büttel ihrer Wirtschaftsinteressen gehalten; nach der Wiedervereinigung aber hätte Deutschland mit amerikanischer Unterstützung seinen alten, 1945 unterbrochenen Eroberungsfeldzug weiter fortgesetzt und seine Position gegenüber den USA wesentlich stärken können. Die entstandene Rivalität habe ihre Konsequenz in Schröders Ablehnung des Irakkriegs gefunden, referiert unser Rezensent die Thesen des Autors, der die Regierung Schröder dahingehend bestärke, den Bruch mit Amerika herbeizuführen und statt dessen eine "Hellenisierung" Eurasiens, das heißt die Bildung einer Achse Paris-Berlin-Moskau anzustreben.
Rudolph Walther ist von diesem Buch weidlich enttäuscht, in dem Jürgen Elsässer darzulegen versucht, dass Deutschland schon wieder oder immer noch einen Sonderweg gehe. Das ganze Konzept findet Walter nur eingeschränkt stichhaltig, weil darin ein Normalweg vorrausgesetzt wird. Aber auch die Argumente des Autors mag er nicht gelten lassen, etwa wenn dieser die schnelle Anerkennung Kroatiens als deutschen Sonderweg sieht. Den kann Walther nicht erkennen, zog doch die EU schnell nach und ratifizierte die nationale Neuaufteilung Jugoslawiens. Auch Elsässers Versuch, seine These historisch zu belegen, sieht der Rezensent misslungen. "Grobschlächtig" referiere Elsässer die wissenschaftliche Debatte etwa über die Spezifika des deutschen Kaiserreiches - wie Preußens Aufstieg zur Großmacht, die Reichsgründung und die Zeit bis zum ersten Weltkrieg. Nur in einem einzigen Punkt mag er Elsässer folgen. Und zwar dort, "wo er wirtschaftliche Hintergründe politischer Entscheidungen und die militärische Ergänzung der deutschen Politik mit Fakten belegt."
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