Charisma ist eine archaische Kraft: ein Mensch verkörpert die Hoffnung auf eine bessere Welt. In der Politik dagegen hat sie einen zweifelhaften Ruf, weil charismatische Führer ihre Länder oft genug ins Unglück gestürzt haben. Kann aber eine Demokratie mit Politikern funktionieren, die nur nüchterne Techniker der Macht sind? Helmut Schmidt verkörpert eine beruhigende Zuverlässigkeit, Petra Kelly machte die Themen der Grünen zu den Themen aller, und mit Marina Weisband wäre die Geschichte der Piraten vielleicht anders verlaufen. Julia Encke zeigt in ihrem Gang durch die jüngste Geschichte, dass unsere Demokratie erstarren könnte ohne Charismatiker, die die Bürger für Politik begeistern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2014
Voller Freude nimmt Jens Hacke die Erkenntnisse seiner Feuilletonkollegin Julia Enckes zur Brust, denenzufolge Charisma nur im Zusammenspiel mit politischer Kompetenz und Begabung sowie gesellschaftlichen Umständen entsteht. Zu sehen am Beispiel des Herrn zu Guttenberg und positiv an Obama, wie Hacke bei Encke lernt. Was die Kulturjournalistin ferner mit Max Weber in ihrem Essay erkundet, scheint dem Rezensenten unterhaltsam, vor allem lehr- und beispielreich (Joschka Fischer kriegt auch sein Fett weg). Wie rasch sich Charisma verflüchtigen kann, erfährt Hacke hier auch. Die insgesamt positive Sicht auf das Phänomen gefällt ihm, und die Hoffnung, Charisma möge eines Tages wieder in der Politik eine Rolle spielen, teilt er mit der Autorin.
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