delulu
Der Roman

Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN
9783835358102
Gebunden, 247 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
"Wünschten Sie nicht auch, Sie würden sich weniger für sich interessieren?" Res hat stets geglaubt, etwas Besonderes zu sein - so wie ihr Idol Frances Scott. Doch ausgerechnet an dem Tag, als sie diese größte Popkünstlerin unserer Zeit treffen soll, endet ihr Leben abrupt. Auf der Folie von Film, Musik und Werbung der Jahrtausendwende zieht ihr Leben an ihr vorbei. Und wir tauchen ein in das Unterbewusstsein der westlichen Populärkultur. Wie selbstverständlich wird hier eine Existenz in ständiger Stimulation erwartet, die auf ein grandioses Ende hinauslaufen soll - das nie erreicht werden darf. Im Delir trifft Res endlich Frances. In Lofts und Restaurants, bei Tennis Games und großen Auftritten. Es ist das letzte Aufglühen eines Traums aus einer Zeit, in der Pop scheinbar apolitisch nichts als Hedonismus verkaufte. Weder Res, die den Traum beschreibt, noch Frances, die den Traum verkauft, bestimmen seine Spielregeln. Sie streben danach, Produkt zu werden und Marke. Aber warum denn nur? Sprachspielerisch ergründet "delulu" das gegenwärtige Begehren nach dem Gesehenwerden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2025
Ein bisschen too much ist dieses Buch für den Rezensenten Oliver Jungen. Die Kulturjournalistin Julia Friese hat einen Roman über eine Kulturjournalistin namens Res geschrieben, die sich in einem Hotelzimmer auf ein Gespräch mit Frances Scott, einem Britney Spears nachempfundenen Popstar, vorbereitet. Aber was heißt Roman, Handlung gibt es im weiteren kaum - Res fasst in eine Steckdose, in ihrer Nahtoderfahrung halluziniert sie eine Begegnung mit der von ihr vergötterten Frances, später verschmilzt sie gar mit ihr; vielmehr, so Jungen, ähnelt die allerlei Poptheorie verarbeitende Prosa Blogbeiträgen und anderen Internettexten. Gut geschrieben ist das alles, stellt Jungen klar, der dennoch den Eindruck hat, dass Friese hier ein bisschen an ihren hohen Ambitionen scheitert und letztlich nicht viel mehr zu sagen hat, als das Marketing der Untergang des Pop ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.05.2025
"Delulu" ist ein Jugendwort das vom englischen "delusional", also "wahnhaft" abgeleitet ist, klärt uns Rezensent Benedikt Herber auf. Und um Wahnwelten geht es im zweiten Roman von Popjournalistin Julia Friese, fährt der Kritiker fort, der das Buch in den höchsten Tönen lobt: Er folgt hier dem inneren Film von Journalistin Res, die nach einem Stromschlag stirbt und deren "halluzinierender Gedankenrausch" uns in die Welt der Nullerjahre samt MTV, Fanta und Kellog's Cornflakes führt. Mitunter fühlt sich Herber bei diesem assoziationsreichen, "wilden Trip" an William S. Burroughs oder Thomas Pynchon erinnert. Vor allem aber sieht er sich in diesem "melodischen, rätselhaften" Text mit der popliterarischen Frage konfrontiert, wie viel authentisches Ich in unserer Medien- und Konsumkultur möglich ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.03.2025
Rezensentin Julia Hubernagel taucht durchaus gern ein in die Medienwelt der Nullerjahre, durch die sich dieser Roman bewegt, wobei ihre Besprechung durchaus auch von skeptischen Tönen durchzogen ist. Hauptfigur des Buchs von Julia Friese ist Resm, eine Frau, die im Alter von 36 Jahren stirbt, aber sich fortan in einer Art Limbo bewegt und sich an die Fersen eines Popstars namens Frances Scott heftet. Diese Frances dürfte etwas mit Britney Spears zu tun haben, vermutet Hubernagel, auch wenn diese Verbindung nicht sofort explizit werde. Die Kritikerin taucht mit Friese tief in die Lebenswelt der Millennials der Nullerjahre ein, inklusive der passenden Marken und Fernsehsendungen. Der Titel des Buches freilich ist der Jugendsprache der jüngeren Zoomer-Generation entnommen, erfahren wir: "delulu" beschreibt eine Person, die sich Illusionen macht, was durchaus auch auf die Hauptfigur passt. Insgesamt ist das Buch der Rezensentin aber doch ein wenig zu historisierend geraten, über die Gegenwart lernt man hier nicht allzu viel, bemerkt sie. Andererseits, überlegt sie, ist die Oberflächlichkeit jener Jahre so weit von uns auch nicht entfernt.