Girl vs. Girl
Wie Popkultur Frauen gegeneinander aufbringt

Piper Verlag, München 2025
ISBN
9783492064897
Kartoniert, 336 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Britta Fietzke. Warum gehen Frauen oftmals so negativ mit sich selbst und miteinander um? Dieser Frage geht Sophie Gilbert auf den Grund und identifiziert einen wichtigen Faktor: Die Popkultur der 90er- und frühen 2000er-Jahre. Sie analysiert, welche Mechanismen schleichend die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Frauen beeinflusst haben. Dazu gehört zum Beispiel die Darstellung von weiblichen Stars in den Medien, die von Objektivierung geprägt ist - Stichwort Reality-TV. Gilbert legt die unbewussten Wirkmechanismen hinter diesen Phänomenen offen und zeigt, was sich ändern muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2025
Viel über die popkulturellen Diskurse der letzten Jahrzehnte mit Bezug auf Weiblichkeit und Feminismus kann man laut Rezensentin Julia Schymura aus diesem Buch lernen. Sophie Gilbert argumentiert darin, dass die sexualisierte Popkultur der Nullerjahre, geprägt von Reality-TV und Figuren wie Britney Spears, ein Klima geschaffen hatte, in dem Frauen zu Objekten degradiert wurden. Insbesondere die "Girl Power"-Erzählung mit ihrer rein aufs Individuum bezogenen Schlagrichtung wird von Gilbert laut Schymura attackiert, außerdem spielt der Siegeszug der Pornographie eine Rolle, der die Gesellschaft sexualisiert. Insbesondere auch mit Blick auf den konservativen Backlash in Geschlechterfragen in der Gegenwart - Tradwives und so weiter - leuchtet Schymura die Perspektive, die Gilbert eröffnet, ein. Neu ist nicht alles an den Analysen, die dieses Buch ausbreitet, gesteht die Rezensentin ein, aber ihr gefällt die Gründlichkeit, mit der die Autorin ein nach wie vor ausgesprochen relevantes Feld beackert.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 23.08.2025
Die Kulturjournalistin Sophie Gilbert hat sich gefragt, warum junge, weibliche Stars um die Jahrtausendwende über alle Maßen sexualisiert und gedemütigt wurden und darüber ein unbedingt lesenswertes Buch geschrieben, hält Kritikerin Isabella Caldart fest. Sie lernt, dass schon die "Massenverbreitung von Pornografie" in den 1990ern den Grundstein dafür gelegt hat, dass aber auch Teenager als neue Werbe-Zielgruppe entdeckt wurden, die nicht nur über eine enorme Kaufkraft verfügen, sondern im Vergleich zu erwachsenen Frauen auch noch vergleichsweise leicht formbar sind. Auch dass feministische Ideen wie "Girl Power" etwa von den Spice Girls verwässert und kapitalismustauglich verwertbar wurden, hat Caldart zufolge dazu beigetragen, den Selbsthass der jungen Frauen zu steigern. Sie lobt zum Schluss, dass Gilbert zeigt, dass eine soziologische Analyse von Popkultur nicht nur interessant, sondern auch sehr wichtig ist, um die gesellschaftlichen Mechanismen dahinter zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.06.2025
Dass die Popkultur insbesondere der Nullerjahre nicht viel für den Feminismus getan hat, liest Rezensentin Jolinde Hüchtker mit Erschrecken bei Sophie Gilbert: Die Autorin zeigt beispielsweise anhand der Reality-Show The Swan, wie grausam der Druck von Schönheitsidealen und gesellschaftlicher Konformität vor allem in den neunziger und nuller Jahren war: Es geht in der Show einzig und allein darum, sich durch OPs möglichst weitreichend optisch zu verändern, berichtet Hüchtker geschockt. Sie liest in Gilberts Buch eine kluge Ausleuchtung der Frage, wie feministisch es sein kann, sich dem "sex sells"-Druck hinzugeben, hätte sich aber auch gefreut, wenn die Autorin noch stärker auf Gegenbewegungen wie Body Positivity eingegangen wäre.