Aus dem Französischen von Helmut Moysich. Tripolis: Stadt der Berberinnen, der Italienerinnen, Jüdinnen, Araberinnen. Stadt, die nach Zimt und rotem Tee duftet, wo kühle Patios vor der gleißenden Sonne schützen. Aus der Sicht des Ich-Erzählers war Tripolis eine Stadt der Frauen: Die Männer lebten in einer fernen Parallelwelt. Da ist Zohra, die von ihrem Mann so kurz gehalten wird, dass sie dem kleinen Jungen nicht mal ein Bonbon schenken kann, oder Hiba, die ihr Gesicht abwendet, damit niemand sieht, dass ihr Mann ihr die Zähne ausgeschlagen hat. Aber da sind auch die schöne, lebensfrohe Fella, die eine Tochter mit einem schwarzen Offizier hatte, und Nafissa, die der großen Liebe ihres Lebens nachträumt. Kamal Ben Hameda schildert eine Welt, die jahrhundertelang am Patriarchat festgehalten hat, an einer Kultur der Unterdrückung. Nun scheint sie erstmals aufzubrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.11.2011
Ein anderes Libyen als das aus den Medien vermeintlich bekannte lernt Rezensentin Julia Kohl in Kamal Ben Hamedas Roman "Sieben Frauen aus Tripolis" kennen. Der Autor schildere in einem "märchenhaften Ton", wie der Ich-Erzähler, ein kleiner Junge, zwischen den Welten der Männer und der Frauen pendelt - gelangweilt von den Männern, fasziniert von den Frauen. Kohl vergleicht die Lektüre des Buchs mit einem heimlichen Blick durch den Türspalt auf Szenen von Intimität und Vertraulichkeit. Das Buch zeigt in ihren Augen nicht nur die Unterdrückung von Frauen, sondern auch ihre Freiheit, wie sie unbekümmert reden und träumen und subversive Strategien entwickeln, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse umkehren. Das Fazit der Rezensentin: ein Werk, das hilft, ein uns fremdes Land besser zu verstehen.
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