Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann. "Tausend und eins" beschreibt eine Zeit aus den Fugen, in der politische, ökologische und gesellschaftliche Katastrophen eine Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. Ein "Ruck", der das geistige Klima zu verändern scheint. Es gibt keine Garantie, dass das Erzählen von Geschichten, auch nicht von Tausend und einer, das Überleben sichern, und auch das (philosophische) Denken nicht. Dass dieser "Ruck" in der Gesellschaft, ausgelöst unter anderem durch aktuelle Themen wie Obdachlosigkeit und Flüchtlingsproblematik, auch durch die eigene Familie geht, bestürzt ihn. Während gerade die isländische Aschewolke über Europa schwebt, beschäftigt sich der Ich-Erzähler in seiner Lektüre mit dem Ausbruch des Vesuv, mit der Beschreibung des Lebens im Gulag oder mit der gewaltvollen Besetzung Abessiniens, die sich immer mehr mit der realen Geschichte eines irregulären Einwanderers aus Äthiopien in Rom vermischt. Das Schicksal dieses Äthiopiers beschäftigt ihn zunehmend, zumal auch sein Freund Mara sich immer mehr in eine Liebesgeschichte mit ihm einlässt.
Rezensent Tino Schlench empfiehlt ein anspruchsvolles Buch mit diesem Mix aus Roman und Essay des Finnen Kari Hukkila. Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen Ich-Erzählers, ebenfalls Finne, der sich in der Abgeschiedenheit Leben und Werk des polnischen Autors Gustaw Herling widmen will. Zwischen jenem Herling, der in den 1940er ins Gulag kam, und ihm erkennt er Parallelen, etwa im Hinblick auf den Rechtsruck im Politischen, aber auch im Privaten. Denn Familienmitglieder haben sich aufgrund unterschiedlicher Positionen zur Einwanderungspolitik bereits von ihm abgewandt. Bald lässt der Erzähler sein Projekt ruhen, um einen befreundeten Wittgenstein-Forscher in Rom zu besuchen, mit er dann über Migration, Wittgensteins Zeit an der Front im Ersten Weltkrieg oder zerstörte Manuskripte des Lyrikers Gunnar Björling sinniert, resümiert der Kritiker. Während der Lektüre kommen dem Rezensenten sowohl die Scheherazade als auch das Flanieren im Sinne Walter Benjamins in den Sinn. Manche Assoziation mag nicht immer ganz passen, dennoch nimmt Schlench diese Anregung zu "widerständigem Denken" auch dank der "klugen" Komposition und "eleganten" Sprache des Romans gern an.
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