Piper Verlag, München 2026
ISBN
9783492073592 Gebunden, 528 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Finnlandschwedischen von Kristina Maidt-Zinke. Helsinki, 1940/41. Für die junge Schauspielerin Molly fällt das Trauma des Krieges mit einer Krise ihrer künstlerischen Identität zusammen. Der Journalist Henry leidet unter den psychischen Folgen seines Einsatzes als Kriegsreporter und unter dem Konflikt mit der Redaktion, die seine ungeschönten Berichte nicht drucken will. Die fragile, oft dramatische Beziehung der beiden festigt sich in der Zeit des "Zwischenfriedens" - bis Finnland in den Zweiten Weltkrieg gezogen wird.
An Romane aus dem 19. Jahrhundert fühlt sich Rezensentin Tanya Lieske bei der Lektüre von Kjell Westös Roman erinnert, den sie als souverän erzählte, atmosphärisch dichte Liebes- und Kriegsgeschichte lobt. Der Roman schildert die Beziehung der Schauspielerin Molly und des Journalisten Henry vor dem Hintergrund der beiden finnisch-sowjetischen Kriege, inklusive der lange verdrängten Kollaboration Finnlands mit der Wehrmacht. Inhaltlich folgt man den Liebenden in getrennte Kriegswege, Briefwechsel, Sehnsucht und zunehmende Entfremdung; Politik und Moral dringen bis in ihr Privatleben vor. Rezensentin Lieske hebt besonders Westös entschleunigte, detailreiche Erzählweise hervor, diese wirke zwar zum Teil etwas aus der Zeit gefallen, passe aber zum Sujet. Sie lobt außerdem das vielstimmige Helsinki-Panorama sowie das genaue Interesse an den fragilen Figuren und würdigt zusätzlich Kristina Maidt-Zinkes "elegante" Übersetzung aus dem Schwedischen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2026
Mit großer Eindringlichkeit vergegenwärtigt der Roman von Kjell Westö den Lapplandkrieg als Erfahrung einer ganzen Gesellschaft, wie Rezensent Stephan Opitz hervorhebt. Im Zentrum steht eine fragile Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Molly Timm und dem Kriegsreporter Henry Gunnars, deren Beziehung unter dem Druck von Diktatfrieden, Zensur und Mobilmachung erst zerbricht und sich dann neu formt. Westö zeigt Künstlerfiguren mit "seismographischem Vermögen", deren Körper und Karrieren früh ahnen, dass "Finnlands Bewährungsprobe" gerade erst begonnen hat. Besonders beklemmend, so der Kritiker, sind Szenen aus Lazaretten, wo Traumatisierten Feigheit vorgeworfen wird, sowie der propagandistische Erwartungsdruck an Journalisten. Das vielstimmige Gesellschaftsporträt, klug und gut übersetzt, entfaltet eine "nahezu unheimliche Kraft" und zeigt, wie Krieg Intimität, Wahrheit und Öffentlichkeit deformiert.
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