Es sind lange, in Zeit und Raum weit ausgreifende Gedichte, die Geschichten erzählen von Leben und Tod, von Kunst und Leben: dokumentarisch, parabelhaft, surrealistisch und anekdotenreich. Geschichten "nach dem Leben" erzählt, dem gegenwärtigen und dem unwiderruflich vergangenen. Das Phänomen Zeit wird nun, stärker als je zuvor in der Arbeit von Karin Kiwus, zum eigentlichen Strukturprinzip äußerst komplexer Texte. Als eine dünne Membran ortet sich ein fragiles Bewusstsein zwischen den Zeiten und bewegt sich vor und zurück. Zeit-, Denk-, Traum- und Erinnerungsbilder werden entworfen in diesen Gedichten, so zum Beispiel in einer "Elegie in sieben Sachen" für Uwe Johnson, in einer Legende um Ho Chi Minh und in der Evokation traumatischer Erfahrungen, die ein ganzes Leben geprägt haben und erst jetzt übersetzt werden können in Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2006
Insgesamt gelungen erscheint Rezensent Nico Bleutge dieser Gedichtband von Karin Kiwus, auch wenn ihm einige Gedichte darin weniger gefallen haben. Gegenüber einer Bewertung von Kiwus? Gedichten als Dokumente reiner privater Befindlichkeiten unterstreicht er, dass die Autorin ihre Ich-Erkundungen immer schon zu "Symptomen der Zeit" verallgemeinerte. So findet er in ihren Gedichten immer wieder Themen wie Identität und Macht oder das Verhältnis der Geschlechter reflektiert. Eine besondere Stellung in den Gedichten nimmt für Bleutge aber zweifellos die Kunst bzw. das Kunstgespräch ein. Gleich der Eingangstext verdeutliche, "wie stark Kiwus' Schreiben vom Austausch mit anderen Stimmen aus Literatur und Malerei lebt." Kritisch sieht Bleutge einige Gedichte, die "zu sehr auf die reine Aussage" setzen. Zu seiner Freude halten sich "eingängige Botschaften" allerdings in Grenzen.
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