In seinem Tagebuch 1966-1971 hat Max Frisch Fragmente einer Erzählung unter dem Titel Skizze eines Unglücks veröffentlicht: Der Arzt Viktor fährt mit seiner Geliebten Marlies, Romanistin, in die Provence. Es kommt zu einem Unfall, bei dem die Frau stirbt. Nie wieder ist Viktor später in einen Unfall verwickelt, aber der Rest seines Lebens ist bestimmt von seinen Schuldgefühlen gegenüber der Toten. Uwe Johnsons "Antwort", sein Beitrag zur Festschrift anlässlich des siebzigsten Geburtstags von Max Frisch, trägt den Titel Skizze eines Verunglückten: Bei dem Verunglückten handelt es sich um den Schriftsteller J. Hinterhand (1906-1975), der seine Frau umbringt, weil sie ihn angeblich jahrelang betrogen hat. Dafür verbringt er acht Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung 1957 hat er für sich "eine eigene Todesstrafe gefunden, abzuleisten durch Ableben".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2009
"Große Literatur!" ruft Rezensentin Beatrice von Matt und stellt auch klar, dass diese, hier erstmals in einem Band versammelten Texte tatsächlich zusammen gehören. Denn Uwe Johnsons "komplexer Kurzroman" beziehe sich explizit auf eine, in Max Frischs Tagebuch 1966-1971 "eingelagerte" Geschichte. Beide Male handele es sich um "schwarze Liebesgeschichten" mit tödlichem Ausgang, der jedoch je anders begründet würden. Die beiden großen Autoren des 20. Jahrhunderts behandelten die "Zerstörungsgewalt zweier Liebeskonzepte", die allerdings "der alten männlichen Vorherrschaft verpflichtet" seien. Hier wie dort bringe der Mann seine Geliebte schließlich um. Deshalb lehren die Texte die Rezensentin auch das Fürchten. Der eine "in brillanter Verknappung", der andere "schwerblütig, mit geisterhafter Kompliziertheit". Auch das Nachwort wird wegen schöner Herausarbeitungen gelobt.
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