Uwe Johnson

Uwe Johnson - Siegfried Unseld: Der Briefwechsel

Cover: Uwe Johnson - Siegfried Unseld: Der Briefwechsel
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 9783518410721
Gebunden, 1219 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Uwe Johnson ist 1959 der erste Autor des Verlegers Siegfried Unseld (Suhrkamp Verlag). Ihre Korrespondenz zeichnet sich dadurch aus, daß die beiden Akteure keine Grenze ziehen zwischen der Privatperson und dem von ihnen ausgeübten Beruf.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.1999

Rolf Michaelis zeigt sich ergriffen von diesem Briefwechsel des Suhrkamp-Verlegers und eines seiner berühmtesten Autoren. Er legt dar, wie sehr Unseld einen wie Johnson braucht, einen Autor der neuen Generation, mit dem er die von Suhrkamp begründete Traiditon fortsetzen konnte. Michaelis erfreut sich an der zärtlichen Höflichkeit mancher Briefe, vergisst aber auch die harschen Streitigkeiten nicht: "ein einmaliges, ja sensationelles Buch". Besonders würdigt Michaelis die Rolle Burgel Zeehs, der damaligen Chefsekretärin des Verlags, ohne deren Hilfe Johnson den letzten Band seiner "Jahrestage" nicht hätte fertigstellen können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999

Dass Unseld und Johnson in den letzten Jahren ihrer Freundschaft mehr und mehr zum Telefonieren übergegangen sind, findet Roland H. Wiegenstein bedauerlich. Denn trotz der 1220 Seiten dieses Bandes hätte er "gern noch mehr gelesen". In seiner sehr ausführlichen Rezension zeigt sich Wiegenstein äusserst fasziniert davon, Zeuge dieser Männerfreundschaft zu sein, die er für einen "Glücksfall" hält. Ihn erstaunt die Fähigkeit, besonders Unselds, Querelen immer wieder ad acta legen zu können und die Gratwanderung zwischen Autoren- und Verlagsinteressen zu meistern. Johnson selbst zeige sich in diesen Briefen facettenreich: mal buchhalterisch, mal ironisch, schmeichelnd oder böse, bisweilen auch für Johnson-Leser überraschend. Den Anmerkungsapparat findet Wiegenstein ausführlicher als nötig. Der Nutzen dieses Buchs erschliesse sich dem Leser "von selbst, buchstäblich".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999

Frauke Meyer-Gosau hat sich beim Lesen nicht die Spur gelangweilt. Hier könne man erfahren, wie einer, der ein Buch schreibt, nach allen Regeln der Verlegerkunst zu "einer Figur im Betrieb" gemacht wird. Das ist kein Vorwurf gegen Unseld, der Johnson mit seiner verlegerischen Arbeit und dem monatlichen Scheck die nötige Sicherheit gegeben habe. Vor allem aber, so Meyer-Gosau, entsteht durch den Briefwechsel auch ein "Mosaik der Kulturgeschichte der Bundesrepublik", das nebenbei die Gruppe der 47, die Spiegelaffäre, die deutsche Teilung, 68 - eben die ganze deutsche Zeitgeschichte wiederspiegelt. Auch Meyer-Gosau lobt ausdrücklich die Arbeit der Herausgeber Eberhard Fahlke und Raimund Fellinger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

Lothar Müller rechtfertigt die lückenlose und daher sehr umfangreiche Dokumentation des Briefwechsels (770 Briefe, Karten und Telegramme auf 1219 Seiten) mit der Bedeutung Uwe Johnsons für den Suhrkamp Verlag und der Schlüsselstellung des Suhrkamp Verlages im literarischen Leben der Bundesrepublik. Vor allem scheint ihm der Umfang gerechtfertigt, weil neben die Briefeschreiber eine dritte Figur trete: "Der Verlag als Kollektivwesen". Dazu gehören auch die Lektoren und anderen Autoren des Suhrkamp Verlages. Man liest wechselseitig die Manuskripte, Unseld beklagt sich bei Johnson über die ungeschriebenen Romane Wolfgang Koeppens usw. Private Vorgänge, wie etwa Johnsons Ehekrise, kommen in den Briefen kaum zur Sprache, so Müller. Und doch sei dies ein sehr persönlicher Briefwechsel. Denn im Zentrum stehe nichts geringeres als "die Entbindung eines literarischen Werkes durch eine periodisch gefährdete Freundschaft". Wobei die ökonomischen Überlegungen wohl am gefährlichsten waren.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999

Ein bißchen ächzt er unter der Last der 1200 Seiten dieses Briefwechsels, der Kritiker der NZZ. Große Briefeschreiber, so Rolf Vollmann, waren nämlich beide nicht. Unseld schreibe meistens sachlich, Johnson fast immer umständlich. Aber der Rezensent hat Verständnis für die ungekürzte Dokumentation: Wegen des "tatsächlich unseligen Endes" Uwe Johnsons (der Schriftsteller starb einsam und war schon drei Wochen tot, als man ihn fand) habe Unseld alle Briefe drucken müssen, denn sonst hätte der Verdacht aufkommen könnnen, die Auswahl sei "tendenziell" und nur "auf den guten Ruf des Verlegers bedacht". Vollmann lobt nachdrücklich die Arbeit von Eberhard Fahlke und Raimund Fellinger, die die Briefe geradezu "aufopfernd" editiert, kommentiert und benachwortet hätten. Vielleicht davon angespornt, ackert sich der Rezensent dann gründlich durch die Briefe, läßt beiden Schreibern in jeder Hinsicht Gerechtigkeit widerfahren läßt und kommt endlich zu dem Fazit: Johnson ist zugrunde gegangen, jetzt wissen wir wenigstens "welche Gründe keine Rolle spielten".

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