Zur Geschichte des Streits um die magischen Künste unter Philosophen, Theologen, Medizinern, Juristen und Naturwissenschaftlern von der Antike bis zur Aufklärung
Wilhelm Fink Verlag, München; Zürich 2002
ISBN
9783770535965 Gebunden, 291 Seiten, 35,80
EUR
Kann es Wahrsagung geben, fragt Cicero und entscheidet sich für ein klares Nein. Hält die Natur heilende Kräfte bereit, fragt Plinius und schwankt zwischen nüchternem Realitätssinn und phantastischen Rezepten. Mitten in der Astronomie begründet Ptolemäus die Macht der Sterne, die die christlichen Kirchenväter aus theologischen Gründen bestreiten. In der Alchemie verwirft ein Albertus Magnus die Goldmacherkunst, um im gleichen Atemzug Talismane zu empfehlen. Renaissancephilosophen streiten über magische Formen der Lebensverlängerung, frühneuzeitliche Juristen über die Möglichkeit der Hexerei. Die Aufklärung sorgt für klarere Linien und muss doch zusehen, wie im eigenen Lager neuer Aberglaube in Form physiognomischer Wahrsagung aufbricht. Hat auf Dauer die Wissenschaft gesiegt?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2002
Außerhalb esoterischer Erweckungsliteratur finde man nur selten Bücher, die sich auf ernsthafte Weise mit dem magischen Denken befassen, meint Rezensent Andreas Kilcher und betrachtet daher Karl-Heinz Götterts Geschichte der Magie als willkommene und löbliche Ausnahme. Was das Buch des Kölner Mediävisten auszeichne, ist in Kilchers Sicht die gut gewählte Perspektive: Göttert betrachte die Magie nicht isoliert, sondern in der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Philosophie und Wissenschaft seit der Antike. So werde deutlich, dass die magischen Känste schon vor der Aufklärung alles andere als unumstritten waren. Seit ihrem Auftreten hatte sie ebenso ernstzunehmende Befürworter wie Gegner. Die Schwäche des Buches sieht Rezensent Kilcher, der sich offensichtlich selbst im Fach ziemlich gut auskennt, in den Kapiteln über die Renaissance und den Barock, die für ihn einige Lücken auswiesen. Bei einer historischen Darstellung, die gut 2000 Jahre umfasst, findet er dies allerdings verzeihlich.
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