Katharina Adler

Iglhaut

Roman
Cover: Iglhaut
Rowohlt Verlag, Hamburg 2022
ISBN 9783498002565
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Sie hat eine Vorliebe für Whiskey-Cocktails und alte Sozialdemokratinnen, hat schlechte Backenzähne, Geldprobleme und ein Talent für den Umgang mit Holz: Iglhaut, die im Hinterhof eines Münchner Mietshauses ihre Werkstatt unterhält. Die starke, stachelig schöne Iglhaut, die - ohne eigenes Zutun und definitiv gegen ihren Willen - zum Zentrum nachbarschaftlichen Miteinanders wird. Katharina Adlers Iglhaut ist eine Heldin nach Art alter Götter. Aus dem Holz für verlässliche Beziehungen ist sie nicht gemacht, weder in der Liebe, noch im Geschäft. Auch ihre Laune: so wandelbar wie das Wetter. Nur ihre Überzeugungen sind bis zur Sturheit gefestigt. Allenfalls für einen Fleisch verachtenden Hund namens Kanzlerin könnte sie sich verbiegen - und vielleicht für den Ex-Liebhaber, den sie in einem Moment der Unachtsamkeit wieder in ihr Leben lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2022

Cornelius Pollmers Lob für Katharina Adlers zweiten Roman ist nicht gerade überschwänglich, aber auch nicht spärlich. Anerkennend bemerkt der Rezensent etwa die angemessene Sprache und den "liebevoll-harmlosen Witz", den Adler entwickelt hat, um die Gleichförmigkeit zu erzählen und gleichzeitig zu kommentieren, die das Leben von Adlers Protagonistin Iglhaut prägt. Wie alle Figuren in diesem Roman leidet Iglhaut an mehr oder weniger, eher weniger großen Wehwehchen, lesen wir und erleidet mehr oder weniger, eher weniger große Kataströphchen. Doch auch wenn die Handlung dadurch mitunter etwas träge dahin plätschert, folgt man ihr doch gern, so Pollmer, schon allein aus Rührung. Denn Iglhauts Versuche, dazu zu gehören - zu was auch immer - sind durchaus bewegend. Wenngleich der Rezensent einwenden muss, dass die unreflektierte Privilegiertheit diese Romanheldin ihm auch einiges an Geduld abringt. Man könnte also zusammenfassen: Pollmer ist kein Fan, erkennt aber die Leistungen dieser Autorin lobend an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2022

Rezensent Oliver Jungen erkennt in Katharina Adlers schlagfertiger Protagonistin eine knallbunte Heiligenfigur. Die Autorin erzählt in dem neuen Buch von der titelgebenden, passenderweise namenslosen Iglhaut, dem Kummerkasten und "Zentralgestirn im Nachbarschaftskosmos", erklärt Jungen. Die lebensfrohe Erzählung besitzt zwar keinen wirklichen Erzählbogen und bleibt relativ oberflächlich, doch das fernsehwürdige Finale und der pointierte, gutgelaunte Ton können den Rezensenten durchaus fesseln. Die Schnelligkeit der Sprache erinnert Jungen gar an gelungene Twitter-Postings, woran er sich nur deshalb stört, weil sich ausnahmslos alle Figuren des überdrehten Instagram-Jargons. Allerdings kann er sich ebenfalls vorstellen, dass der Roman mit mehr sprachlicher Abwechslung weniger lustig geworden wäre. Insgesamt sieht er "Iglhaut" näher an der Wohlfühlliteratur Kerstin Giers als an Iris Hanika, aber wie der Roman in Zeiten des Hasses vom Zusammenhalten erzähle, findet der Rezensent charmant.

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