Falk Margraf ist berühmt, er ist der rebellische Spross einer alten Bayreuther Großbürgerfamilie, der Wagner gegen die Rockmusik eingetauscht hat, vor allem aber hat er das Lied geschrieben, das das Lebensgefühl einer aufsässigen Generation traf und gleichzeitig prägte. Wen wundert es, dass die aus einfachen Verhältnissen stammende junge Sängerin Alex es Anfang der Achtziger für den Glücksfall ihres Lebens hielt, ihn getroffen und ihm offensichtlich ziemlich gut gefallen zu haben. Und wenn auch Falks machtbewusste Schwester Isolde, nach deren Seminar es zu dem Treffen kam, gerade ihren Elevinnen geraten hatte, lieber Intendantinnen zu werden statt Sängerinnen - Alex entschließt sich, den mühsamen Weg der eigenen Karriere gegen ein erheblich unanstrengenderes Leben mit Falk einzutauschen. Siebzehn Jahre später ist sie klüger: Sieben Jahre ist Falk da schon tot und sie sitzt mit zwei unehelichen Kindern und einem handfesten Trauma vereinsamt und ohne wirkliches
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2011
Katharina Teutsch scheint diesem Teutonen-Roman von Katharina Döbler durchaus etwas abgewinnen zu können; immerhin beschwert sie sich nicht. Dabei: Wagner kommt vor, eine Isolde, eine Herrenmenschen-Sippe, eine "Eckstein" genannte, sehr deutsche Avantgarde-Band, Berlin natürlich, als Kulturbiotop mit langen Küchentischen, und ein Kind mit leuchtenden (blauen) Augen als hoffnungsvoller Stammhalter. Uff. Dazwischen ein Musenschicksal, das Teutsch an Camille Claudel erinnert. Und wie findet die Rezensentin das? Gute Frage.
Rezensent Andreas Nentwich reibt sich verblüfft die Augen über diesen Roman, der ihm mal wie ein Melodram vorkommt, mal wie eine Parodie, mal schlicht kitschig - und der ihm trotzdem ziemlich gut gefällt. Denn die Literaturkritikerin Katharina Döbler erzählt mit den Mittel der Soap - junge Frau kämpft darum, dass die bildungsaristokratische Familie ihres verstorbenen Exfreunds das Kind anerkennt - von einer Kulturbetriebselite, zu deren Machtmitteln oder Folterwerkzeugen der intellektuelle Jargon, die Provinzverachtung, und ein generelles Angeekeltsein gehören. Alexandra, die unbedarfte dagegen, hat noch nicht einmal eine "Meinung über Robert Wilson, die Zukunft Russlands, zur Pornografie", wie Nentwich amüsiert zitiert.
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