Kerstin Holzer

Thomas Mann macht Ferien

Ein Sommer am See
Cover: Thomas Mann macht Ferien
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462006711
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Sommerfrische in Bayern, 1918. Die Familie Thomas Mann hat ein Haus am Tegernsee gemietet. Es sollen unbeschwerte Monate werden - doch die Welt verändert sich dramatisch, und auch der Schriftsteller wird bald ein anderer sein.Die Kinder schwimmen und angeln Rotaugen, der Vater rudert, geht spazieren und besteigt erstmals einen Berg, die Mutter kümmert sich um das neue Baby, und Bauschan, der Hund, döst im Schatten, während ihn Thomas Mann gerade zum Helden seiner Erzählung "Herr und Hund" macht.Ein Idyll, doch den Schriftsteller plagen Sorgen. Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg steht bevor, Revolution liegt in der Luft, und mit seinem antidemokratischen Manifest "Betrachtungen eines Unpolitischen" sitzt Thomas Mann historisch auf dem falschen Dampfer. Mit seinem Bruder Heinrich hat er sich deswegen überworfen, für die Arbeit am nächsten großen Werk "Der Zauberberg" fehlt ihm die Kraft, und dann fällt ihm auch noch ein Zahn heraus.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.06.2025

Ja, es gibt immer noch Neues zu sagen zu Thomas Mann und sogar ganz neue Perspektiven einzunehmen, wie Rezensent Tilman Krause an Neuerscheinungen von Matthias Lohre, Kerstin Holzer und Tilmann Lahme sehen kann. Allen drei ist gemein, dass sie Thomas Mann aus einem Blickwinkel betrachten, der gut in die heutige Zeit passe, wie Krauss findet: Mit empathischer Sicht auf Thomas Mann als Opfer einer homophoben Gesellschaft. Kerstin Holzers Sachbuch mag zunächst etwas naiv daherkommen, beschreibt aber einen Schlüsselmoment im Leben Thomas Manns, findet Rezensent Tilman Krauss. Im Sommer 1918 hatte er "Betrachtungen eines Unpolitischen" abgeschlossen und war unentschlossen, wie er sich als "erklärter Konservativer" in der neuen Demokratie positionieren sollte. Das gab Anlass dazu, sich vielleicht zum ersten Mal wirklich auf seine Kinder und die Familie einzulassen, was Holzer mit viel Einfühlungsvermögen schildert, wie Krass versichert. Es sind diese Momente "regressiver Selbstvergewisserung", die jeder kennt und die nötig sind, um danach etwas Neues zu schaffen, hält der Kritiker fest, der das Buch gerne gelesen hat.

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