Der "Kulturkrieg" war ein Phänomen der daheimgebliebenen Bildungsbürger, sowohl der Wissenschaftler als auch der Literaten, die in der geistigen Mobilisierung für den Krieg ihren Dienst im Geiste und mit der Feder sahen. Anhand der Schriften von vier zentralen Vertretern der Debatte ? Rudolf Eucken, Johann Plenge, Thomas Mann und Hermann Bahr ? zeigt Barbara Beßlich, dass zum einen die Wurzeln dieser mystifizierenden Kriegsbegeisterung bis in die 1890er-Jahre zurückreichen und zum anderen unterschiedliche und widersprüchliche Ausprägungen und Positionen letztlich im "Kulturkrieg" zusammenlaufen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2001
Werner Bührer hat das Buch, das aus einer Freiburger Dissertation entstanden ist, mit großem Interesse gelesen. Die vier Intellektuellen - die weniger bekannten Eucken, Plenge und Bahr und der berühmte Thomas Mann - die die Autorin ausgesucht habe, um ihre These darzulegen, dass Zivilisationskritik nicht immer mit Nationalismus gleichzusetzen ist, werden einer "differenzierten werkgenetischen Analyse" unterzogen, lobt der Rezensent. Allerdings findet er es nicht recht überzeugend, wenn die Autorin Nationalismus und Zivilisationskritik derart streng zu trennen versucht, da das seiner Ansicht nach gar nicht möglich ist. Außerdem vermisst er Ausführungen zu den Relationen zwischen deutscher Zivilisationskritik und "antiwestlichem Denken" in den zwanzig Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Alles in allem zeigt er sich aber durchaus angetan von der Studie, und er lobt Besslich dafür, dass es ihr "hervorragend" gelingt, vier wichtige Positionen der Zeit nachzuzeichnen.
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