Aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte. In einem kleinen haitianischen Dorf bewahrt Antoinette, genannt Gran'n, Großmutter, die althergebrachten Praktiken und Riten. Um sie herum andere, jüngere Frauen, vor allem Sophonie, die "auf dem Höhepunkt des Regenschauers in andere Umstände fiel." Antoinette hat in ihr die erkannt, die ihr nachfolgen soll, aber Sophonie zögert und begreift auch erst nach und nach, was es mit dem Kind auf sich hat, das sie erwartet. Antoinette fühlt ihr Ende nahen, will aber noch einen letzten Auftrag erfüllen: Das Haus der Mysterien, der Geister des Voodoo, das ein Unwetter zerstört hat, muss wieder aufgebaut werden. Das Projekt droht die Gemeinschaft zu entzweien, denn viele Bewohner haben sich von den Mysterien abgewendet …
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2024
Rezensentin Victoria Eglau hat ein poetisches Erlebnis mit diesem Roman von Kettly Mars aus dem Jahr 2003. Die deutsche Fassung führt Eglau in die haitianische Heimat der Autorin, in ein Dorf, wo Tradition und Moderne kollidieren und die Voodo-Praktikerin Antoinette angesichts ihres nahenden Todes die Spiritualität wiederbeleben möchte. Die Konflikte, die das provoziert, aber auch das einfache, von Machismus und Entbehrung geprägte Dorfleben schildert die Autorin laut Eglau im Stil des magischen Realismus. Aufschlussreich und sinnlich, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2024
Tief in die haitianische Mystik tauch Rezensent Cornelius Wüllenkemper mit dem nun auf Deutsch vorliegenden ersten Roman der Schriftstellerin Kettly Mars ein. Das Buch spielt im titelgebenden Ort Kasalé bei Port-au-Prince und setzt mit einem Traum ein, der den Tod der Dorfältesten Antoinette ankündigt. Die benötigt eine Nachfolgerin, und auch die Kosten für ihre Beerdigung sind, lesen wir, noch nicht beglichen. Ein zentrales Thema des Buches ist laut Wüllenkemper der Voodoo-Kult, der auf Haiti nicht nur eine traditionelle soziale Praxis darstellt, sondern auch als Symbol des Widerstands gegen koloniale Bevormundung dient. In diesem Zusammenhang nimmt Mars, stellt der Rezensent dar, auf die Nachwirkungen eines historischen Voodoo-Verbots Bezug. . In der Tat sind es die traditionellen Kulte, die den Figuren dieses schönen Romans dabei helfen, ihre alltäglichen Probleme zu bewältigen, erklärt Wüllenkemper. "Magischer Animismus" und "metaphorische Sinnlichkeit" schaffen hier atmosphärische Dichte, freut er sich und lobt auch die Übersetzung von Ingeborg Schmutte.
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