Aus dem Französischen von Peter Trier. Port-au-Prince ist die Stadt der "sanften Debakel", reibungslos eingefädelt von denen, die davon profitieren. Wer sich ihnen entgegenstellt, riskiert sein Leben. So wie Raymond Berthier, ein Richter, der zu hartnäckig über die Machenschaften gewisser Kreise ermittelt hat. Sechs Monate später sucht seine Tochter Brune den Verlust mithilfe der Musik zu verarbeiten, während ihr Onkel Pierre seine Verbindungen spielen lässt, um Einblick in die Ermittlungen zu erhalten. Um Brune und Pierre herum Ézéchiel, Dichter und revolutionärer Straßenkämpfer, Waner, der auf Gewaltlosigkeit setzt, Cyprien, ein junger Rechtsanwalt mit Aussichten auf eine große Karriere und der französische Journalist Francis.Bei einem gemeinsamen Ausflug in das Küstenstädtchen Médéquilla überstürzen sich die Ereignisse.
Im Perlentaucher:
Unglück. Nichts als Unglück
"Sanfte Debakel" ist ein schmaler Roman von kaum mehr als hundertfünfzig Seiten, ein vielstimmiger Gesang aus Furcht, Trauer und Sehnsucht. Lahens verbindet darin zärtliche Momente, einen scharfsichtigen Blick auf das Land und Genre-Elemente mit den Traditionen der haitianischen Lyrik. Die Intimität mit dem Denken und Fühlen der Menschen straft jeden ideologischen Blick auf das Land Lügen. Thekla Dannenberg in "Wo wir nicht sind"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.08.2021
Rezensentin Andrea Pollmeier hält den im französischen Original bereits 2018 erschienenen Roman der haitianischen Autorin Yanick Lahens für hochaktuell. Die Autorin führt den Leser in die vielschichtige Gemengelage einer von der Zerstörung demokratischer Strukturen bedrohten Gesellschaft, erklärt Pollmeier. Lahens' Gesellschaftsanalyse funktioniert laut Pollmeier szenisch, indem die Autorin Figuren verschiedener sozialer Herkunft präsentiert und sie in den Gesamtzusammenhang stellt. Ein ermordeter Richter, aufstrebende junge Männer, Oligarchen und sogar eine Kamera, die die Presse repräsentiert, wechseln sich erzählperspektivisch ab, so die Rezensentin. Das alles wirkt auf Pollmeier desolat, aber nicht ganz frei von Hoffnung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.05.2021
Rezensentin Victoria Eglau ist beeindruckt von der Art, wie uns die haitianische Autorin am Beispiel einer Handvoll Romanprotagonisten das Leben auf Haiti zeigt. Wir werden zu allen möglichen Schauplätzen mitgenommen, zu Armen und Reichen, mutigen Aufklärern und kriminellen Aufsteigern - alle aber vereint, so die Kritikerin, der Traum von einem anderen Leben. Nicht nur die Beschreibung der Verhältnisse auf Haiti hat es der Kritikerin angetan, vielmehr lobt sie insgesamt den Stil des in einer "bildreichen, poetischen, zum Teil stakkatohaften Sprache" vorgelegten Romans. Ihr gefällt, wie über die Menschen des Romans und ihre Träume geschrieben wird, wie sie aber auch selbst zu Wort zu kommen scheinen und so als komplexe Charaktere auch die Komplexität Haitis aufzeigen.
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