Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat. Eine Abiturientin verlässt ihre Geburtsstadt Helsinki, um in der fernen Schweiz die Liebe und Anerkennung zu finden, die ihr in ihrem sozialistischen Elternhaus versagt geblieben ist. Doch in der Fremde erkennt sie, dass ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit sie immer enger in ihrem Korsett verschnürt, statt sie daraus zu befreien.
In Finnland gehört Pirkko Saisio schon länger zur ersten Schriftsteller-Riege. Mit ihrer Helsinki-Trilogie hat sie sich auch international als Autorin einen Namen gemacht, deren autifiktionale Texte den Vergleich mit Größen wie Annie Ernaux nicht scheuen müssen, wenn man Rezensentin Nora Karches glaubt. Nun, nachdem sie die ereignisreichen Abschnitte ihres Lebens wie etwa ihr "Queer Awakening" in den Siebzigern im ersten und dritten Teil bereits abgehandelt hat, erscheint nun der zweite Teil der Trilogie, in dem sie aus einer ziemlich ereignislosen Phase ihres Lebens erzählt - ein "erzählerisches Wagnis", stellt Karches fest. Ja, auch in "Gegenlicht" verzichtet die Autorin auf Deutungen der Vergangenheit aus der Perspektive ihres erwachsenen Ichs, sie lässt die Ereignisse für sich stehen, erzählt in ihrem herrlichen, selbstironischen "Saisio-Ton", springend zwischen verschiedenen Zeiten und Erzählperspektiven, wie man es von ihr kennt - eine Herausforderungen übigens für die Übersetzung, die Elina Kritzokat jedoch gut meistert. Was Band 1 und 3 auszeichnete, findet sich also auch in Band 2, der, wie die Rezensentin schreibt, dort "überzeugt", wo es um Saisios Aufwachsen in Helsinki geht. Und der Rest? Gelingt das Wagnis auch hier? Wir erfahren es nicht.
Kritikerin Carola Ebeling freut sich, dass die finnische Autorin Pirkko Saisio nun endlich auch in Deutschland entdeckt werden kann: "Gegenlicht" ist Teil einer autofiktionalen Reihe und handelt, wie auch die anderen Bände, vor allem von Saisios Weg zum Schreiben, vom Bedürfnis zu schreiben und von den "spinnennetzfeinen Fäden", die das Leben spinnt, aus dessen Fundus sie ihr Erzählen schöpft. Die "Entfremdung von den streng kommunistischen Eltern" spielt ebenso eine Rolle wie die in Finnland kriminalisierte Homosexualität der Protagonistin und ihr versuchter Bildungsaufstieg, erfahren wir. Ebeling lobt vor allem das Splitterhafte, Assoziative und Stilistisch-Aufregende im Schreiben der Autorin, das dennoch nicht aus der Form gerät, sondern die Verworrenheit des Lebens zeigt, schließt sie.
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