Seit über 100 Jahren reizt, provoziert, fasziniert Paul Schreber Kunst und Wissenschaft. Seine "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" sind weltberühmt und ein bewegendes Zeugnis aus der Welt eines Verrückten. Klaas Huizing erzählt die Geschichte Schrebers vor dem Hintergrund des historisch Überlieferten neu. Er zeigt ihn gleichermaßen als Verzweifelten und auch als Hoffnungsträger, der die Möglichkeit eines anderen Lebens in sich birgt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2008
Beklemmende Eindringlichkeit bescheinigt Rezensent Ludger Lütkehaus diesem Roman über den Sohn des Schrebergarten-Erfinders, der auch ein berühmter Freud-Fall ist. Zwar erschließt das Buch aus Sicht des Rezensenten "nicht immer Neuland", führt aber seine Leser tief in die irren Abgründe "einer denkwürdigen Seele"hinein. Schon den Titel findet der Rezensent voll abgründiger Ironie und ambivalenter Verheißung. Verheißung, die der Autor mit seinem Blick auf die Folgen der strengen und "antionanistischen" Erziehungsmethode, und damit auch die zentrale Bedeutung des Vaters für den Wahn des Sohns wirft. Klaas Huizing lehnt sich Lütkehaus zufolge an die Schreber-Forschungen von William G. Niederland und Morton Schatzman an, erschließt jedoch mit seinem Roman einen neuen Zugang, weil er sich auf Schrebers "unerhörte Sprache", ihre "extremen Bilder" und damit auf die Innenperspektive seines Protagonisten einlasse und auf diesem Weg biografische Zusammenhänge enthülle sowie "Apokalypse und Erlösung, Transsexualität und intimste Gottesbeziehung" miteinander verbinde. Und doch, so der Rezensent, liefert er Schreber mit seinem Wahn niemals ans Messer einer scheinbaren Normalität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2008
Was ist an diesem Roman über Daniel Paul Schreber, Freuds Fallbeispiel für Paranoia, dass den Rezensenten Martin Halter von einem "hingewunderten" Buch sprechen kann? Es gelingt die Apotheose eines Menschen, dem Wahnsinn unterstellt wurde, so der Rezensent. Die vorschnellen Urteile über Schreber hatte Halter satt und folgt dem Autor darin, sich Schreber, ein Kind des Fin de siecle, als einen glücklichen Menschen und Künstler vorzustellen. Einfach so, "behutsam", humorvoll, wie Halter vermerkt, und Schrebers Ideensystem "von innen und außen" knackend. Am Ende steht Schreber dem Rezensenten gegenüber: von innerer Not getrieben, doch nicht pathologisch noch romantisch verklärt, ganz gegenwärtig heutig - glücklich irgendwie.
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