Band 6 der auf 12 Bände angelegten Edition behandelt die außenpolitisch am wenigsten belasteten Jahre der Ersten Republik Österreichs. Kernthemen sind dabei die schwierigen Verhandlungen zur Aufhebung der internationalen Militärkontrolle, die Frage einer Verlegung des Völkerbundsitzes nach Wien und vor allem das gespannte Verhältnis zum faschistischen Italien. Der wegen Südtirols entstandene Konflikt wurde erst mit dem Besuch Bundeskanzler Schobers bei Mussolini in Rom mit einem Freundschaftsvertrag endgültig beigelegt. Weitere Höhepunkte der Pflege bilateraler Beziehungen Österreichs stellen etwa die politischen Gespräche Bundeskanzler Seipels mit dem polnischen Außenminister Zaleski oder dem tschechoslowakischen Außenminister Bene dar. Internationale Anerkennung auf der Basis finanzieller Stabilität schuf die Voraussetzung für Österreichs "Jahre der Souveränität".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2005
Sehr aufschlussreich waren für den Rezensenten Rainer F. Schmidt die in dieser zweibändigen Edition zusammengefassten 289 Aktenstücke. Sie umfassen den Zeitraum 1922 bis 1938, also die für Österreich prekäre Periode zwischen dem Wiederaufbauplan der Pariser Siegermächte und dem Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland. Zwei Bereiche hebt Schmidt besonders hervor: Zum einen führen ihm die Dokumente vor Augen, wie schwierig sich für die auf den Rumpfstaat reduzierte Österreichische Republik der Prozess der Selbstfindung gestaltete. Zum anderen sieht er belegt, wie wenig Wiens Politiker einen eigenen außenpolitischen Kurs bestimmen konnten und wie sehr sich darum bemühten, trotz Verbots die Option zur Eingliederung ins Deutsche Reich offen zu halten.
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