Kveta Legatova

Die Leute von Zelary

Cover: Die Leute von Zelary
dtv, München 2005
ISBN 9783423244589
Broschiert, 397 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. "Er hatte die Begabung, über einfache Kleinigkeiten Glück zu empfinden, wie es allen Geschöpfen außer dem Menschen eigen ist." Und er war einer der beiden "Wildfänge", die Hana bei ihrer Hochzeitsfeier im Wirtshaus aufgefallen waren: Vratislav Lipka, der nach dem Tod seiner Mutter bei einem brutalen Onkel aufwächst und Trost nur bei der kleinen Außenseiterin Helenka und deren Ziege findet. Wir treffen sie alle wieder in diesem Geschichtenzyklus: Juliska und Pavel, Zena und Jirinka, die gelähmte Madlenka, Doktor Benicek, den Jäger Jura Machala - und natürlich den gutmütigen Joza und Lucka, die Hebamme, Kräuterfrau und unbestrittene Autorität von Zelary. Sie macht, was sich keine andere Frau in dem von Tradition und Aberglauben geprägten mährischen Bergdorf an der slowakischen Grenze traut - sie setzt sich zu den Männern in Latals Kneipe, trinkt ihren Sliwowitz und greift auch schon mal bei Schlägereien ein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2005

Als "großen Roman" würdigt Rezensent Peter Demetz dieses nun auf deutsch vorliegende Buch der tschechischen Schriftstellerin Kveta Legatova. Die Geschichten aus dem Dorf Zelary, die die Autorin erzählt, bilden für Demetz ein "anziehend altmodisches Buch". Legatova, die jahrzehntelang als Lehrerin in mährisch-slowakischen Dörfern arbeitete, blicke in den Geschichten zurück in die Dorfwelt der fernen Jahre der Republik, von ungefähr 1925 bis 1935. Dabei begnüge sie sich nicht damit, einen traditionellen Dorfroman zu schreiben. Sie setze vielmehr Kompositionskraft und sprachliche Energie daran, "das Vorgegebene in überraschender Modernität zu revidieren". Demetz hebt hervor, dass sich selbst die traditionellen Figuren des Dorfromans - Zuchthäusler, schöne Zigeuner und Zigeunerinnen, ein haltloser Hütteningenieur, Mägde, die rasch in fremden Betten landen - nicht ganz in die Schablonen fügen. Er führt dies auch auf die sprachlichen Fertigkeiten der Autorin zurück, die Nostalgie mit "artistischer Konsequenz" verbinde und sich etwa der "Technik der wandernden Kamera und der verstreuten Indizien" bediene. Demetz äußert seine Freude darüber, dass der nunmehr über achtzigjährigen Legatova endlich die gebührende Anerkennung zuteil wird. So wurde ihr bereits Ende der sechziger Jahre für die Schublade geschriebener Zelary-Roman von der Prager Zeitung "Lidove Noviny" im Herbst 2002 zum Buch des Jahres gewählt, die Schriftstellerin selbst wurde noch im selben Jahre mit dem Staatspreis der Republik ausgezeichnet. Den Beifall des Rezensenten findet auch die Übersetzung von Sophia Marzolff, die im Wechsel der Töne keine einfache Arbeit gehabt habe, und auch dem lyrischen Idiom loyal und genau folge.
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