Mit 27 Fotos und Dokumenten auf 16 Tafeln. Für ihre Zivilcourage und ihre Treue zum tschechoslowakischen Staat mussten deutsche Sozialdemokraten, Kommunisten und Katholiken, die in Böhmen und Mähren lebten, einen hohen Preis bezahlen: Diskriminierung durch ihre fanatisierten Volksgenossen, Emigration, Haftstrafen und Konzentrationslager. Nach dem Krieg mussten sie das Los der deutschen Tschechoslowaken teilen, die auf Seiten Hitlers gestanden hatten. Trotz der Verluste und Demütigungen betrachten sie sich nicht als Opfer. Für viele, die bewusst in die sowjetische Besatzungszone gingen, um hier ein neues Deutschland aufbauen zu helfen, bedeutete das Ende der DDR die dritte historische Niederlage. Auch in der Bundesrepublik standen Sudetendeutsche auf der "Verliererseite", wenn sie sich nicht in die politische Linie der Vertriebenenverbände bzw. der Sudetendeutschen Landsmannschaften einordneten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2008
Ulrich Miksch äußert sich sehr angetan über den von Alena Wagnerova herausgegebenen Band, für den sie fünfzehn Sudetendeutsche interviewt hat, die nicht mit den Nazis sympathisiert hatten. Auch wenn sich als ein Problem für den Rezensenten der große zeitliche Abstand der Interviews zu den Ereignissen darstellt - nicht wenige, von denen in den Interviews erzählt wird, leben nicht mehr und sind nur in der Erinnerung der Familie noch präsent - vermag das Buch durchaus einen "Zugang" zu den Menschen zu schaffen, die nicht nur während der Nazi-Zeit, sondern auch danach noch verfolgt wurden, so der Rezensent eingenommen. Zudem sind in den Augen Mikschs die erläuternden Fußnoten und der Anhang höchst hilfreich, etwaige "Erinnerungslücken" oder Irrtümer der Interviewten "behutsam" geradezurücken, und so erlangt man durch diesen Band nicht zuletzt einen Eindruck von der "verschwindenden Welt" der Sudetendeutschen, wie er lobt.
Ausgesprochen gute Noten vergibt Rezensent Hermann Theissen an diese Edition mit fünfzehn biografischen Miniaturen von Sudetendeutschen, die aus seiner Sicht in kein ideologisches Schema der Nachkriegsdiskussionen zum Thema "Flucht und Vertreibung" passt. Damit füllt das Buch aus seiner Sicht eine Leerstelle in der Debatte, stelle es doch Sudentendeutsche vor, die nie mit den Nazis paktiert hätten, Sozialdemokraten, Kommunisten oder Katholiken gewesen seien, die am Ende trotzdem vertrieben wurden. "Wir sind sowohl auf der deutschen als auf der tschechischen Seite mit unserer demokratischen Gesinnung unter die Räder gekommen", zitiert der Rezensent aus einem Text, der die vergebliche Allianz von demokratischen Tschechen und Sudetendeutschen im Kampf um die damals letzte Demokratie in Mitteleuropa zum Gegenstand hat.
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