Aus dem Amerikanischen von Egbert Hörmann. Laurence A. Rickels führt durch die Welt der Vampire. Von "Nosferatu" bis zu "Interview mit einem Vampir" werden die Quellen zu dieser Figur aus der Horrorwelt psychoanalytisch und medientheoretisch gelesen. Der Vampir gehört zum morbiden Fundus psychischer Projektionen. Unbetrauerbarer Verlust lässt ihn zu einem Liebenden der besonderen Art werden. Auch die "Gadget-Love", die Liebe zum technischen Objekt, spielt hier eine unterwartete Rolle. Der Vampir ist ein Wiedergänger toter und geliebter Menschen. Seine Beziehung zu den Untoten ist das Los unserer Gesellschaft. Psychoanalyse, Kulturwissenschaft erklären, warum Vampire ihr Reich stabil begründen können; sie sind eine produktive Form der Unfähigkeit zu lieben.
Rezensent Ekkehard Knörer hat die Vorlesungen des kalifornischen Literaturwissenschaftlers, in denen er Vampirismus, Psychoanalyse und Kino zusammenbringt, mit Faszination gelesen, auch wenn sich bei ihm angesichts der ungebremsten "Gedankenflut" mitunter ein gewisser Überdruss einstellt. Rickel sieht im Vampirismus und der Psychoanalyse das gleiche Phänomen des "Untoten", das im Kino seine technische Umsetzung findet, erklärt der Rezensent. In der grafischen Gestaltung des Bandes mit seinen verschiedenen Schrifttypen, sich überlagernden Textpassagen und Interpunktionszeichen in Form von Vampirzähnen wird das Ungeordnete, Wilde der Ausführungen Rickels angemessen umgesetzt, konstatiert der Rezensent. Etwas Mitleid hat er mit dem Übersetzer, der mitunter so vollständig am betont "antiakademischen" Gestus des Autors scheitert, dass er sich nur noch mit einem Originalzitat zu retten weiß. Mit seiner vom Autor selbst als "Post-Punk-Freudianismus" apostrophierten Assoziations- und Thesenflut mache Rickel verblüffende Zusammenhänge auf und verknüpfe munter Theorien und Themen mit literarischen sowie cineastischen Werken, so Knörer vergnügt. Diese Assoziationslust entpuppt sich für ihn zugleich aber als Hauptschwachpunkt der Vorlesungen, denn mitunter scheint ihm das Ganze auch eher als "Gedankenflucht", denn als pointiertes Nachdenken.
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