Humanitäre Katastrophen durch Bürgerkriege oder Naturkatastrophen wie zuletzt auf Haiti erschüttern die Menschen weltweit und lösen eine Welle von Spenden und Hilfsaktionen aus. Doch wie sieht der Alltag vor Ort wirklich aus? Linda Polman kennt ihn aus eigener Erfahrung und weiß, dass Entwicklungsnothilfe voller Widersprüche steckt: Wie können Helfer in einem vom Bürgerkrieg zersplitterten Staat überhaupt neutral bleiben? Was, wenn die versprochenen Summen nicht fließen? Müsste nicht ihr Erfolg die Entwicklungsnothilfe selbst überflüssig machen, das immerhin fünftgrößte Wirtschaftssystem der Welt? Engagiert, kritisch und fundiert zeigt Polman, dass die Hilfsarbeit besser werden muss. Es ist nicht nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht als Spender kritisch zu überprüfen, was mit unseren Geldern geschieht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.10.2010
Trotz reißerischer Titel (von Buch und Rezension) geht es Bei Linda Polman nüchtern zu, zumindest erweckt Reinhild Khan in ihrer Besprechung den Eindruck. Die niederländische Journalistin Linda Polman weist auf Fehlentwicklungen bei der Humanitären Hilfe hin, die mitunter dazu führten, dass nicht den Opfern, sondern den Tätern geholfen wird - wie den nach dem Völkermord an den Tutsi in den Kongo geflohenen Hutu (Löbliche Ausnahme: die Ärzte ohne Grenzen zogen sich aus den Flüchtlingscamps zurück). Oder dass die Hilfe bei Militärs oder Rebellen ankommt. Sehr wichtig findet Khan auch den Hinweis, dass die seit Henri Dunant postulierte politischen Neutralität von Hilfsorganisationen in Naivität umschlagen kann. Dass Polman keine Patentlösungen anbietet, geht für die Rezensentin in Ordnung, dafür sei das Problem zu komplex, aber Polmans Forderung nach mehr Transparenz und Rechenschaft kann Reinhild Khan nur unterschreiben.
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