Louise Kennedy

Übertretung

Roman
Cover: Übertretung
Steidl Verlag, Göttingen 2023
ISBN 9783969992593
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel. Jeden Tag, während Cushla Lavery ihrer alkoholkranken Mutter das Frühstück macht, sich im Garten mit dem Nachbarn unterhält, ihre Grundschüler unterrichtet oder in der Bar ihrer Familie aushilft, werden die Toten und die Verletzten gezählt. Es ist 1975, und in Belfast eskaliert der Bürgerkrieg. Die katholischen Laverys betreiben ihren Pub in einer überwiegend protestantischen Vorstadt. Sie müssen vorsichtig sein - ein falsches Wort, schon findet man sich auf einer Todesliste wieder. In diesem "Höllenloch" gibt es vieles, was man besser nicht tut. Sich in einen verheirateten Mann verlieben, der nicht nur ein wohlhabender, angesehener Prozessanwalt ist, sondern auch noch Protestant. Sich einmischen, wenn ein Schüler schikaniert und sein Vater fast totgeprügelt wird. Gegen jede Vernunft beginnt Cushla eine leidenschaftliche Affäre mit dem deutlich älteren Michael Agnew, gegen jede Vernunft setzt sie sich für den kleinen Davy ein - und bezahlt einen hohen Preis.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.09.2023

Ein schönes Buch über die Allgegenwart der Gewalt im Nordirland der 1970er ist Louise Kennedy gelungen, findet Rezensent Hans von Trotha. Erzählt wird die Geschichte der 24-jährigen Lavery, deren Leben von Sorge um Familienangehörige und ihren Lehrerberuf geprägt ist. Dann macht sie, führt der Rezensent aus, die Bekanntschaft eines älteren Mannes, der auf den ersten Blick nicht in ihre Welt zu passen scheint. Von Trotha gefällt, wie Kennedy die Welt des Romans beschreibt und in intertextuellen Verweisen widerhallen lässt. Am Ende wird es dramatisch, aber auch da bleibt die Autorin ihrem menschenfreundlichen Stil treu, so von Trotha.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.09.2023

Klarzumachen, dass der Begriff der "Troubles" eigentlich unzureichend ist für das, was sich dreißig Jahre lang in Nordirland abgespielt hat, daran scheint sowohl Rezensent Julian Weber gelegen zu sein, als auch Louise Kennedy, der Autorin, deren Buch er rezensiert. In ihrem Roman treffen wir auf eine junge Lehrerin, verrät er, die in der Bar ihrer Eltern aushelfen muss und mitten hineingerät in Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken, die gar nicht so einfach aufzudröseln sind, in alkoholbefeuerte Wut, in die Probleme einer polarisierenden und polarisierten Gesellschaft. Die 70er Jahre und ihre ganz eigene, zwischen Misogynie und Emanzipation schwankende Atmosphäre werden Weber hier ebenso unkitschig wie mit einem eigen Humor ausgestattet vermittelt von einer Autorin, die erst in ihren Fünfzigern zum Schreiben gekommen ist, von der der Kritiker aber hofft, noch so einiges lesen zu können.

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