Mit "jenem Alphabet genannten Spiel" vergleicht Marcel Proust in einer Agenda-Notiz seine Schreibarbeit, als er sich im Herbst 1914 entschließt, den Namen Albertine über den Namen Gilberte zu legen. Zuvor schon hatte er das kleine p und das kleine m der petites madeleines in Majuskeln verwandelt und so sein zukünftiges Werk signiert. Aus einem Quartett wird ein Septett, weil septuor alle Buchstaben von proust enthält. Während Proust sich spielerisch des Alphabets bedient, so systematisch führt Luzius Keller in über tausend Stichwörtern durch dessen Welt. Man begegnet Prousts Familie, seinen Freunden und Bekannten. In ausführlichen Zitaten "hört" man Prousts Sprache, seine Sätze, seine Pointen, "sieht" seine oft merkwürdig benannten Figuren und erfährt, womit und mit wem sich Proust und wer sich mit Proust beschäftigt hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2022
Rezensent Lothar Müller sucht den ein oder anderen Eintrag vergebens in Luzius Kellers auf der "Marcel Proust Enzyklopädie" von 2009 basierendem Proust Alphabet. Die Personen- und Themenfülle aus Prousts Leben und Werk, die ihm der Band erschließt, findet Müller dennoch beachtlich. Sowohl die technischen Errungenschaften der Epoche als auch Schriftstellerkollegen kommen laut Müller vor. Warum er keine Einträge zu "Aktien" und "Börse" findet, sehr wohl aber einen zu "Geld", kann sich der Rezensent nicht so recht erklären. Ebensowenig das Fehlen eines Eintrags "Erster Weltkrieg".
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